Hochbunkerschutz in dunkelgrün

6.9.2019 – 9.2.2020 | Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur

Boris Becker: Hamburg, Marckmannstraße, 1986

Soll man abbiegen? Oder besser zurückkehren? Die massive Konstruktion in der Bremer Hardenbergstraße wirkt so wuchtig, dass das Gefühl entsteht, falsch in die Einbahnstraße eingebogen zu sein. Das frisch „armeegrün“ gestrichene Gebäude – ein Ungetüm. Es bedurfte der Fotografie dieses Hochbunkers von Boris Becker, 1987 mustergültig ohne stürzende Linien aufgenommen, um zu erkennen, welch unheimliche Präsenz dieses Gebäude in der Stadt noch immer einnimmt. Es sollte in schlimmen Zeiten schützen, doch noch heute weckt diese Schutzfunktion ein mulmiges Gefühl.

Die geparkten Autos atmen die familiäre Atmosphäre der 1980er Jahre und man wundert sich, wie viel Platz zum Parken es damals noch in einer Einbahnstraße gab. Inzwischen hat sich alles verändert. Man lässt heutzutage das Auto in der kleinsten Parklücke selbst einparken und schaut zu.

Der Kölner Fotograf Boris Becker hat mit dieser Aufnahme dazu beigetragen, dass sich seine in Schwarz-Weiß begonnene studentische Fotoserie zu einer der ersten komplett ausgearbeiteten Bilderreihen aus 45 deutschen Städten erweiterte. Begonnen hat er sie, als er noch Schüler in der renommierten Klasse von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf war. Der strenge Lehrer hat die stilistische Richtung vorgegeben. Die Hoch- oder Luftschutzbunker sollten ursprünglich übrigens wie normale städtische Gebäude aussehen und sich nicht von übrigen Bauwerken unterscheiden, damit sie nicht bombardiert werden. Das ist ihnen bis heute nicht gelungen.

Boris Becker – Hochbunker
6.9.2019 – 9.2.2020
Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur
Im Mediapark 7
D-50670 Köln
Tel.: +49-221-88895300
Mo, Di + Do – So 14 – 19 Uhr
Eintritt: 5,50 €, erm. 3 €
www.photographie-sk-kultur.de

Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur
Erstveröffentlichung in kunst:art 69