Eine Sammlung erzählt

8.9. – 8.12.2019 | Museum Langmatt

Camille Pissarro, Boulevard Montmartre, Frühling, 1897

Ein typischer Cézanne aus dem Spätwerk des Meisters: Mit markanten, sicheren Pinselstrichen aufgebaut, schiebt sich die Tischplatte von unten so ins Bild, dass sie ebenso gut eine vertikale Fläche sein könnte; wichtig ist hier nicht die Perspektive, sondern das kräftige Muster des Tischtuchs und das Arrangement der gleichfalls ins Flächige gleitenden Früchte nebst Karaffe darauf. Fast unsichtbar die links am Rande positionierte Figur (einer Bedienerin vielleicht). „Pfirsiche, Karaffe und Figur“ (um 1900) ist aber nicht nur ein schönes Gemälde, das Cézannes Position veranschaulicht, das Bild erzählt nicht minder von den damaligen Besitzern. Wer kaufte es damals, wann und warum?

Neben dem genüsslichen Blick auf die Kunst genau diese Frage zu beantworten, ist das Anliegen der jüngsten Ausstellung im Museum Langmatt. Die von Karl Moser 1899/1901 erbaute Villa in Baden, im Dreieck zwischen Zürich, Basel und Bern gelegen, war das Heim von Sidney und Jenny Brown. Das Industriellenpaar hatte sich zu engagierten Sammlern entwickelt, nach der Münchner Sezession wurde der französische Spätimpressionismus ihre große Leidenschaft. Die Sammlung kam im 1906 eigens errichteten Erweiterungsbau bestens zur Geltung: „Wir sitzen jeden Abend vor den Impressionisten“, bekannte Jenny Brown 1910 in ihrem Tagebuch. Das jüngst erschlossene Archiv des zum Museum gewordenen Hauses umfasst so aussagekräftige wie umfangreiche Bestände: detaillierte Kaufverträge, Briefe und historische Fotografien.

Wenn Bilder sprechen könnten… – Impressionistische Meisterwerke erzählen ihre Geschichte
8.9. – 8.12.2019
Museum Langmatt
Römerstr. 30
CH-5400 Baden
Tel.: +41-56-2008670
Di – Fr 14 – 17 Uhr, Sa + So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 12 CHF, erm. 10 CHF
www.langmatt.ch

Text: Dieter Begemann
Bild: Museum Langmatt
Erstveröffentlichung in kunst:art 69
Über Dieter Begemann 94 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!