Avanti Dilettanti!

3.10.2019 – 12.1.2020 | Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Joachim Schmid, Other People’s Photographs – Airline Meals, 2008–2011 (© Joachim Schmid)

Üblicherweise widmen sich Museen mit ihrem Stab von Professionellen der unterschiedlichsten Fächer – Direktoren, Kuratoren, Restauratoren und so weiter (und ihren Kolleginnen) – der Arbeit von künstlerischen Profis. Das Treiben der Amateure spielt sich auf ganz getrennten Spielfeldern ab. Vor diesem gewöhnlich kaum hinterfragten Hintergrund hat das Hamburger MKG ein interessantes Phänomen entdeckt: Einige Zeit nach der Erfindung der Fotografie wird die ursprünglich quasi-alchemistische Geheimwissenschaft der gerätegestützten Lichtbildnerei, die anfangs erhebliche chemische und optische Kenntnisse vorausgesetzt hatte (und daher nur Profis zugänglich war), zum Gegenstand amateurhaften Interesses. Die rasante Vereinfachung der technischen Abläufe trug das ihre dazu bei. Und natürlich besaß der „Seiteneinstieg“, eben weil die Konventionen des Betriebs nicht verinnerlicht waren, erhebliches Innovationspotential.

Heute, wo Milliarden von Smartphone-Besitzern unentwegt fotografieren (und sich auch gerne beim Fotografieren fotografieren), hat sich dieser Einfluss des nicht-professionellen Blicks noch dramatisch verstärkt: Was einst als amateurhaft von Profis eher mild belächelt wurde, ist unversehens zum Garanten der Authentizität geworden! Das MKG befragt das „neue“ digitale Amateurtum auf ästhetische wie gesellschaftliche Relevanz vor dem Fonds von geschichtlichen Beispielen, vor allem aus der Zeit des Bauhauses und des dort propagierten Neuen Sehens.

Der Amateur. Vom Bauhaus zu Instagram
3.10.2019 – 12.1.2020
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
D-20099 Hamburg
Tel.: +49-40-428134880
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 21 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 8 €
www.mkg-hamburg.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Erstveröffentlichung in kunst:art 69
Über Dieter Begemann 94 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!