Wirklich ein ganzer Kosmos

28.9.2019 – 26.1.2020 | Kunsthalle Emden

Horst Janssen, Selbst mit Robertas Shawl, 1971 (Foto Olaf Bergmann, Witten)
Mit gutem Recht überschreibt die Emder Kunsthalle ihre aktuelle Ausstellung mit dem großkalibrigen Begriff „Kosmos Janssen“. Denn der 1929 (in Hamburg) geborene Horst Janssen war ein Künstler, der mit nachgerade manischer Energie eine eigene Welt aufbaute, will sagen er-schrieb, er-malte und vor allem natürlich mithilfe der Radiernadel er-druckte. Diese Technik hatte Janssen einst bei Paul Wunderlich erlernt und zu staunenswerter Raffinesse vervollkommnet. Unverzichtbar dabei sein Leibdrucker Hartmut Frielinghaus, ohne den es, so der Künstler freimütig, „den Radierer Janssen nicht hätte geben können“.

Die Emder Kunsthalle zeichnet in ihrer Schau anlässlich des 90. Geburtstages das Netz der Beziehungen nach (zu dem noch viele andere Beiträger zählten), stellt vor allem aber die unglaubliche Produktivität des Künstlers in den Mittelpunkt, der sich, außer in der Ätzkunst, noch in einer Vielfalt von Medien ausdrücken konnte: der Zeichnung, dem Aquarell, der Gouache, dem Holzschnitt, der Lithografie und nicht zuletzt dem privaten oder geschäftlichen Brief. Janssen (er starb 1995) vermaß unablässig schaffend seine Welt, in der die bewunderten Vorbilder fixe Koordinaten waren: wahlverwandte Künstler wie Rembrandt, Goya oder Hokusai, nicht minder aber die Literaten Thomas Mann, Friedrich Nietzsche oder Fjodor Dostojewski. Die Schau entstand in Kooperation mit dem Horst-Janssen-Museum in Oldenburg, das sich, etwa zeitgleich mit Emden, der literarischen Dimension des Ausnahmekünstlers widmet.

Kosmos Janssen. Horst Janssen und die Bildende Kunst
28.9.2019 – 26.1.2020
Kunsthalle Emden
Hinter dem Rahmen 13
D-26721 Emden
Tel.: +49-4921-975050
Di – Fr 10 – 18 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 8 €
www.kunsthalle-emden.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Kunsthalle Emden
Erstveröffentlichung in kunst:art 69
Über Dieter Begemann 94 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!