Satirische Blicke auf die Gegenwart

10.11.2019 – 12.1.2020 | Ludwig Museum

„Ich wollte etwas Schmalziges wieder zum Leben erwecken“, konstatierte verschmitzt Larry Rivers, als er 1953 das heilige Bild der amerikanischen Geschichte, „Die Überquerung des Flusses Delaware durch George Washington“ parodierte. Das originale Bild des deutsch-amerikanischen Historienmalers Emanuel Leutze zeigt, wie der spätere amerikanische Präsident in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember 1776, im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, den Fluss überquert, um einen Überraschungsangriff gegen die Hessischen Einheiten in der Schlacht von Trenton in New Jersey zu starten. Das Originalbild wurde 1942 bei einem britischen Bombenangriff auf die Kunsthalle Bremen zerstört. Leutzes größere Kopie, die der in Düsseldorf lebende Maler 1850 anfertigte, gelangte in die USA, wurde begeistert aufgenommen und hängt seit 1897 im Metropolitan Museum of Art in New York. Anders gesagt, es gehört einigermaßen Mut dazu, dass sich Larry Rivers als 1923 geborener Sohn eines ukrainischen Emigranten an einen opulenten Ölschinken wagt, was auch als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden könnte und nicht als ein wichtiges Werk der Op Art.

Rivers hat seine Karriere als Jazz-Saxofonist begonnen. Das Studium an der Juilliard-Musikhochschule in New York absolvierte er neben Miles Davis und Charlie Parker. Zur Kunst kam er erst nach dem Ende des Krieges. Er bewegte sich im Kreis der abstrakten amerikanischen Maler in New York, angeführt von Jackson Pollock und Mark Rothko, ohne jedoch seine spezifische figurative Malweise zu verlassen. 1947 und 1948 studierte er bei dem amerikanischen Expressionisten Hans Hoffmann, bevor er 1951 einen Abschluss an der New Yorker University in Kunsterziehung machte. Die Einflüsse der französischen figurativen Maler um Manet, Degas und Bonnard sind in vielen seiner Bilder aus den 1950er und 1960er Jahren sichtbar. Rivers verbrachte 1960 ein Jahr in Paris, wo Jean Tinguely und Nikki de Saint Phalle zu seinen Freunden wurden. Doch die eigentliche innovative Leistung Rivers‘ in diesen Jahren ist der Griff nach banalen Gegenständen, die er in seiner Malerei (und Skulptur) verwendete: Zigarettenpackungen, Geldscheine, Zigarrenkiste, wie sie in seiner Parodie des „Staalmeesters“ von Rembrandt erscheinen.

Viele sehen in ihm jenen Künstler, der Andy Warhol zu beeinflussen wusste, ohne sich selbst der Übermacht von Pollock oder Rothko auszuliefern. Bei allem Hang zur Parodie und Komik war Rivers sehr wohl bemüht, ein perfekt austariertes Werk zu liefern, was auch seine spätere – am Computer bearbeitete – Bilderwelt auszeichnete. Die Ausstellung im Ludwigmuseum beleuchtet Rivers Verhältnis zur französischen Malerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts, fokussiert aber auch seine Auseinandersetzung mit dem Abstrakten Expressionismus, der in seinen Augen von Willem de Kooning dominiert wird. Dass dies alles, wie immer, von seinem eigenwilligen und respektlosen Humor begleitet wird, versteht sich von sich selbst.

 

Larry Rivers. American-European Dialogue
10.11.2019 – 12.1.2020
Ludwig Museum
Danziger Freiheit 1
(am „Deutschen Eck“)
D-56068 Koblenz
Tel.: +49-261-3040416
Di – Sa 10.30 – 17.00
So und feiertags 11.00 – 18.00 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 4 €
www.ludwigmuseum.org

Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Ludwig Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 70