Wundersame Welten

bis zum 16.2.2020 | Haus Opherdicke

Raoul Hynckes, Stillleben mit zwei Schädeln, 1937 (Collection Museum Arnhem, Foto Peter Cox)

Ruhig und unumwunden blickt der Maler aus dem Gemälde hinaus. In seinem „Zelfportret met baret“ (Selbstporträt mit Barett) inszeniert sich Dick Ket (1902–1940) selbstbewusst in seiner Profession. Die Hand, die den Pinsel hält und den Malakt nur einen kurzen Moment zu unterbrechen scheint, wirkt jedoch übergroß, nahezu karikaturesk übersteigert; nur ein Element, das über die dargestellte Wirklichkeit hinauszuweisen scheint. In den Zwischenkriegsjahren des frühen 20. Jahrhunderts folgte auf den Expressionismus die Wiederentdeckung der realistisch-figürlichen Darstellung. Die Neue Sachlichkeit wandte sich der sichtbaren Welt zu, während sich der Magische Realismus und der Neorealismus auch inhaltlichen Ebenen jenseits der Realität öffneten und ihren Naturalismus mit teils surrealistischen Elementen anreicherten.

„Wundersam wirklich“ benennt der Ausstellungstitel somit treffend die Werke, die nun auf Haus Opherdicke zusammengeführt werden. Der Neorealismus, der neben Deutschland auch zahlreiche weitere Länder Europas ebenso wie Amerika erreichte, erfährt in dieser Schau den Fokus auf seine Entwicklung in den Niederlanden. In Kooperation mit dem Museum Arnhem, das einen Sammlungsschwerpunkt im Neorealismus hat, werden neben Dick Ket auch Ali Goubitz, Nola Hatterman, Raoul Hynckes, Pyke Koch, Jan Mankes, Johan Mekkink, Wim Schuhmacher, Charley Toorop und Carel Willink präsentiert. Einen Bogen in die Gegenwart schlagen zudem Fotografien von Louise te Poele, die ästhetisch an Maltraditionen anknüpfen und sie zugleich zeitlich und medial erweitern.

Wundersam Wirklich
bis zum 16.2.2020
Haus Opherdicke
Dorfstr. 29
D-59439 Holzwickede
Tel.: +49-2301-9183972
Di – So 10:30 – 17:30 Uhr
Eintritt: 4 €, erm. 3 €
www.kreis-unna.de

Text: Ninja Elisa Felske
Bild: Haus Opherdicke
Erstveröffentlichung in kunst:art 70