Trotzdem gut

13.12.2019 – 20.9.2020 | Kunstmuseum Bern

Arnold Böcklin, Meeresstille, 1887, Detail

Der Mensch ist nicht Mittelpunkt des Seins. Das beginnt mit der Feststellung, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist (Kopernikus), geht weiter damit, dass der Mensch nicht das Abbild Gottes ist, sondern durch die Evolution vom Affen abstammt (Darwin) und endet fatal damit, dass er noch nicht einmal in seinem Innersten der Herr im Hause ist, da das Unbewusste dem Bewusstsein viele Handlungen vorgibt (Freud). Sigmund Freund selbst nennt das die „drei narzisstischen Kränkungen des Menschen“. Was für ein Ausgangspunkt, um die eigene Sammlung danach zu durchforsten!

Tatsächlich scheint das Ergebnis der Suche dann doch eher mager ausgefallen zu sein. Bei der Standortbestimmung hätte man vielmehr eine Bilderflut der Verlorenheit, des Versagens oder Ähnliches erwartet. Tatsächlich findet man zwar großartige Werke in der Ausstellung (und die Berner Sammlung hat ja auch einiges zu bieten!), doch der Bogen hin zum Thema scheint doch arg konstruiert. Tatsächlich handelt es sich zu großen Teilen schlicht um eine ausgewählte Sammlungspräsentation. Und mit Werken von Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler, Félix Vallotton und Adolf Wölfli – neben vielen anderen –, ist das auch sehr sehenswert! Rund 200 Werke wurden immerhin für die Schau ausgesucht. Allesamt von Schweizer Künstlern aus dem 19. und 20. Jahrhundert, ein thematischer Rundgang, der in rund zehn Stationen die menschliche Verunsicherung angesichts der wissenschaftlichen Entwicklungen beleuchtet.

Alles zerfällt. Schweizer Kunst von Böcklin bis Vallotton
13.12.2019 – 20.9.2020
Kunstmuseum Bern
Hodlerstr. 8–12
CH-3011 Bern
Tel.: +41-31-3280944
Di 10 – 21 Uhr, Mi – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 10 CHF, erm. 5 – 7 CHF
www.kunstmuseumbern.ch

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Kunstmuseum Bern
Erstveröffentlichung in kunst:art 71
Über Mathias Fritzsche 78 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?