Galerie Karsten Greve

17.1. – 14.3.2020 | Galerie Karsten Greve

Es ist kein Zufall, dass die Fotografien von Sally Mann (* 1951) so aussehen, als wären sie im 19. Jahrhundert gemacht worden. Tatsächlich verwendet Mann exakt die Technik, die schon damals angewandt wurde: Eine Glasplatte wird mit einer Lösung aus Kollodiumwolle und Iod- und Bromsalzen in Ethanol und Ether übergossen. Der zu einer gallertartigen Masse eingetrocknete Überzug wird in der Dunkelkammer in einer Silbernitratlösung gebadet. Die Platte wird noch feucht von anhaftender Silberlösung in einer lichtdichten Kassette in die Kamera gebracht. Die Platte muss in der Kamera innerhalb weniger Minuten belichtet werden, solange sie noch nass ist. Weitere komplizierte Arbeitsschritte machen aus der Glasplatte das Negativ, von dem in althergebrachter Weise von Sally Mann die Vintage-Abzüge auf Silbergelatine-Papier gemacht werden. Oder als Kurzfassung: Schon der technische Prozess der Aufnahme ist Konzeptkunst.

Bekannt sind von Sally Mann insbesondere ihre frühen Fotoserien von ihren Kindern „Immediate Family“ (1992) und die Landschaftsaufnahmen aus dem Süden der USA „Deep South“ (2005) und „Battlefields“ (2007). Daneben hat sie auch viele Porträtaufnahmen beispielsweise von sich selbst oder ihrem Ehemann gemacht. Aufgrund der verwendeten Technik haben ihre Bilder stets einen sehr dunklen Grundton, was dem Thema zusätzliche Schwere verleiht. Sally Mann hat als Fotografin bereits mehrfach höchste Auszeichnungen erhalten und ist in zahllosen Sammlungen vertreten.

 

 

Sally Mann
17.1. – 14.3.2020
Galerie Karsten Greve
Drususgasse 1-5
D-50667 Köln
Tel.: +49-221-2571012
Di – Fr 10 – 18:30 Uhr, Sa 10 – 18 Uhr
www.galerie-karsten-greve.com

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Galerie Karsten Greve
Erstveröffentlichung in kunst:art 71

Über Mathias Fritzsche 78 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?