Immer dazwischen

30.11.2019 – 15.3.2020 | Kunstmuseum Ahrenshoop

Hans Brass, Ostseestrand, 1945

Das „Selbstbildnis“ von 1948 ist symptomatisch: Wir finden den Maler da, uns abgewandt, auf engstem Raum, fast wie eingesperrt zwischen Stuhllehne und Leinwand. Zur Linken nimmt ein Tisch mit Malutensilien, zur Rechten einer mit Haushaltsgegenständen jeden Bewegungsspielraum. Und sein Kopf sitzt derart tief zwischen den Schultern, als sei er hineingedrückt … Nein, der 1885 am Niederrhein geborene Hans Brass hatte mit seiner Karriere wenig Glück. Manchmal war er zu abstrakt, dann wieder zu realistisch, den Nazis galt er als entartet und den Kulturfunktionären der DDR als Formalist.

Das Kunstmuseum Ahrenshoop möchte nun mit einer Retrospektive dem vielleicht zu Unrecht wenig bekannten Künstler endlich ein Forum verschaffen. Der Ort auf dem Darß bietet sich dafür an, denn Hans Brass gehörte seit den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu den Dauergästen der Künstlerkolonie. Zeitweilig fungierte er gar als Bürgermeister. Die Faszination durch die atmosphärischen Werte der Meereslandschaft wird da bestimmend, aber gesehen durch eine künstlerische Prägung seitens der Avantgardeströmungen von Kubismus und Futurismus. Deren Spuren machen sich noch bemerkbar im Spätwerk des 1959 gestorbenen Künstlers, wenn er das Laubwerk der Bäume am „Bootshafen“ (1954) wild gezackt über die Bildfläche laufen lässt: Die formale Dynamik löst sich dabei weitgehend ab von der Gegenstandschilderung. Rund 80 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken bringen uns einen Maler nahe, der in schwierigen Umständen doch stets das Eigene suchte.

 

Hans Brass. Retrospektive
30.11.2019 – 15.3.2020
Kunstmuseum Ahrenshoop
Weg zum Hohen Ufer 36
D-18347 Ostseebad Ahrenshoop
Tel.: +49-38220-66790
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 4 – 5 €
www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Kunstmuseum Ahrenshoop
Erstveröffentlichung in kunst:art 71

Über Dieter Begemann 104 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!