Ein deutsches Schicksal

23.11.2019-15.3.2020 | Edwin Scharff Museum

Dorothea Maetzel-Johannsen, Stillleben mit Calla und Figur, 1920 (Sammlung Hamburger Sparkasse, Foto Studio Grünke, Hamburg )

Der Architekt, Maler und Grafiker Emil Maetzel sein wohl am stärksten dem Expressionismus verpflichtetes Bild „Die Madonna“. Stark beeinflusst von der afrikanischen Skulptur, die manchem Maler dieser Zeit die typischen schmalen Gesichtszüge diktierte, ist das Bild sicherlich eines der teuersten des Künstlerehepaares, das 2012 auf einer Auktion auf die magische Marke von beinahe 110.000 Euro kletterte. Emil Maetzel und seine Frau Dorothea Maetzel-Johannsen gehörten in den 1920er Jahren zu den prominentesten Künstlern in Hamburg. Sie waren maßgeblich an der Hamburger Sezession 1919 beteiligt, die eine große Bedeutung für die damalige Kunstszene hatte.

Während Dorothea eine zeichnerische Ausbildung absolvierte und selbst als Zeichenlehrerin tätig war, arbeitete ihr Mann als Leiter der damaligen Städtebauabteilung unter dem legendären Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher. Der plötzliche Tod von Dorothea 1930 und die Entlassung des Architekten aus dem Dienst 1933 führten zu Emil Maetzels Rückzug in die Anonymität. 1937 wurden in der Hamburger Kunsthalle seine Holzschnitte als entartete Kunst abgehängt. Nach dem Krieg rückwirkend zum Baudirektor in Hamburg ernannt, kehrte er 1948 als zweiter Vorsitzender zu der wieder gegründeten Hamburger Sezession zurück. Die jetzige Ausstellung im Edwin Scharff Museum ist eine Übernahme aus dem Stade Museum, das exemplarisch den Weg des Künstlerehepaars anhand von 120 Gemälden, Grafiken und Plastiken nachzeichnet.

Ein Künstlerpaar der Moderne
Emil Maetzel und Dorothea Maetzel-Johannsen
bis zum 15.3.2020
Edwin Scharff Museum
Petrusplatz 4
D-89231 Neu-Ulm
Tel.: +49-731-70502555
Di + Mi 13 – 17 Uhr, Do + Fr 13 – 18 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 4 €
www.edwinscharffmuseum.de

Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Edwin Scharff Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 71