Fokus auf Schlesien

12.9.2020 – 28.2.2020 | Schlesisches Museum zu Görlitz

Ernst Resch, Porträt eines Knaben, 1847

Die Geschichte Schlesiens ist über die Jahrhunderte hinweg sehr wechselvoll. Die landschaftlich höchst reizvolle Gegend am Ober- und Mittellauf der Elbe und im Süden entlang der Sudeten und Beskiden ist heute auf drei Länder verteilt. Der größte Teil des Gebietes liegt im heutigen Polen. Ein kleiner Teil der früheren preußischen Provinz Niederschlesien im Westen gehört zu Sachsen und der südliche Teil Oberschlesiens zu Tschechien.

Mit der Ausstellung „Nicht nur romantisch“ greift das Schlesische Museum zu Görlitz eine Zeit auf, die in Schlesien von den Preußen und Österreichern geprägt war, unter deren Herrschaft die Schlesier durch die drei Schlesienkriege standen. Erstmals zeigt das Haus eine Schau der Kunst des 19. Jahrhunderts. Eines Jahrhunderts, das gerade in Schlesien von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen stark geprägt war. Die sonst so verklärte Romantik war hier wohl doch ein wenig anders. Einen Hauch realer in einem Land, in dem verschiedene Sprachen gesprochen wurden und unterschiedliche Kulturen aufeinandertrafen. Und natürlich hatte Schlesien eine rege Kunstszene.

Zu jener gehörte der aus Breslau stammende Maler Emil Ebers (1807–1884). 1831 ging er nach Düsseldorf und wurde Schüler bei Wilhelm von Schadow, dem Gründer der Düsseldorfer Malerschule. Nach verschiedenen Lebensstationen in unter anderem Görlitz und Dresden ging er 1869 nach Beuthen. Ebers‘ Arbeiten sind zum Teil dramatisch und teils humoristisch geprägt. Malte er anfangs Szenen von Schleichhändlern, Räubern und Soldaten, so wandte er sich später höchst erfolgreich Matrosen- und Lotsenthemen zu.

Der in Meißen geborene Maler Ernst Resch (1808–1864) studierte an der Dresdner Akademie bei Moritz Retzsch und ging 1838 ins schlesische Breslau, wo er höchst erfolgreich agierte. Bekannt wurde er in der Stadt vor allem als Porträt- und Landschaftsmaler. 1860 wurde er in Breslau zum Professor berufen. Der Maler war außerdem aktives Mitglied der „Schlesischen Gesellschaft der Freunde der Künste“.

Einer, der sich auf die Landschaftsmalerei spezialisierte, war Robert Sliwinski (1840–1902), der nach der Ausbildung als Lithograf 1862 an der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule Breslau studierte und die Ausbildung von 1864 bis 1868 am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main fortsetzte. Nach einem Abstecher nach Königsberg wurde er ab 1870 in Breslau sesshaft. Hier unterrichtete er als Zeichenlehrer bis 1893 am Matthias-Gymnasium. Später eröffnete Sliwinski eine Malschule für Damen.

Neben bekannten Künstlern zeigt die Ausstellung Werke unbekannter Maler. Insbesondere Porträts gesellschaftlicher Persönlichkeiten wie das von Johanne Eleonore Caroline Gräfin Henckel von Donnersmarck, geboren von Prittwitz und Gaffron (1772–1825) um 1810. Die Gräfin war Erbin des Herrensitzes im schlesischen Gramschütz. Eine verwandtschaftliche Verbindung lässt sich in der Gegenwart zum deutschen Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck finden.

 

 

Nicht nur romantisch
12.9.2020 – 28.2.2020
Schlesisches Museum zu Görlitz
Brüderstr. 8
D-02826 Görlitz
Tel.: +49-3581-87910
Di – Do 10 – 17 Uhr, Fr – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 3 €, erm. 2,50 €
www.schlesisches-museum.de

Text: Nadja Naumann
Bild: Schlesisches Museum zu Görlitz
Erstveröffentlichung in kunst:art 75