Vom Wort zum Bild und zurück

08.11.2020-07.03.2021 | Kunsthalle im Schloss Isny

Ausschnitt: Günter Grass, Leseratte II, 1986, © Günter und Ute Grass Stiftung / Steidl Verlag

Das Zusammenspiel, die kreative gegenseitige Beeinflussung von Literatur und bildender Kunst hat eine lange Geschichte, denken wir nur an die poetologisch eigenständige Beschreibung von Werken der bildenden Künste im Medium des geschriebenen Wortes. Die Sonderschau in der Städtischen Galerie Schloss Isny nimmt ihren Ausgang von einem eben an diesem Ort stattgefundenen Ereignis, dem Treffen der Schriftstellervereinigung Gruppe 47. Damals, im Oktober 1958, traf sich hier im Allgäu die (selbstdefinierte) Avantgarde der jungen deutschen Literatur, um an den Tischen des Gasthofs Adler die Nächte durch zu diskutieren und gegenseitig zu kritisieren.

Unter ihnen waren zwei, die für besagtes Wechselspiel zwischen Wort und Bild besonders empfänglich waren, Günter Grass und Hans Magnus Enzensberger. Grass sah sich stets nicht nur als Autor, sondern gleichberechtigt auch als Grafiker, Maler und Bildhauer: Sprache und Bild waren für ihn zwei Seiten ein und desselben Ausdruckswillens (und Ausdrucksvermögens). Auch Enzensberger war neben der theoretischen Reflexion über Kunst gelegentlich praktisch bildkünstlerisch tätig. „Stoffwechsel. Kunst trifft Literatur“ zeigt aber nicht nur Werke der Altmeister, sondern bringt, mit Blick auf die diesjährigen austragenden drei Städte der Baden-Württembergischen Literaturtage, Isny, Leutkirch und Wangen, unter den ansässigen jüngeren Künstlerinnen und Künstlern Dialogpartner zusammen, jeweils einen aus der bildenden und einen aus der schreibenden Zunft.

 

StoffWechsel. Kunst trifft Literatur
08.11.2020-07.03.2021
Kunsthalle im Schloss Isny
Schloss 1
D-88316 Isny
Tel.: +49-7562-914100
Mi – Fr 14 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr.
www.isny.de/kultur-kunst

Text: Dieter Begemann
Bild: Kunsthalle im Schloss Isny
Erstveröffentlichung in kunst:art 76

Über Dieter Begemann 124 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!