Spaziergang im Quadrat

18.10.2020 – 11.4.2021 | Museum Ritter

Vera Molnar, Cercles et demi-cercles, 1955, Foto Schmölzer & Hollinger Werbeagentur

Leicht tanzen neun rote Quadrate über die hellen Flächen des Bildes „Dispersés par le vent au large“ (2002) von Vera Molnar. Selbst aus vier Quadraten bestehend ist die große Arbeit ein Paradebeispiel für die intensive Auseinandersetzung Molnars mit geometrischen Grundformen. Und passt hervorragend in die Sammlung der Marli-Hoppe-Ritter-Stiftung, in der das Quadrat als wesentliches Merkmal abstrakter und konkreter Kunst im Zentrum steht.

Anlässlich seines 15-jährigen Bestehens richtet das Museum Ritter der berühmten Künstlerin nun eine Einzelausstellung mit dem Titel „Promenades en carré“ aus. Vera Molnar (* 1924) ist darin mit über sechzig Zeichnungen, Gouachen und Gemälden aus unterschiedlichen Werkphasen vertreten.

Die in Budapest geborene Ungarin gilt als Pionierin computerbasierter Malerei. Sie beginnt 1946 mit einer abstrakt-geometrischen Bildsprache zu experimentieren, zieht ein Jahr später nach Paris und betreibt fortan ihre „visuellen Forschungen“, inklusive der Beschäftigung mit den Gesetzen der Mathematik. Ende der 1950er Jahre erfindet sie ihre „machine imaginaire“, mit der sie – noch ohne jede technische Hilfe – ihre Darstellungen von Quadraten, Kreisen, Linien oder Buchstaben in jeweils vielen Varianten durchspielt. Der Zufall als Auslöser einer fein dosierten „Un-Ordnung“ hat da bereits große Bedeutung. 1968 erhält sie Zugang zu einem Computer und schafft mithilfe eines Algorithmus ihre ersten Plotter-Bilder. Heute blickt sie auf ein beeindruckendes, über viele Jahrzehnte entstandenes Œuvre zurück.

 

 

Vera Molnar. Promenades en carré
18.10.2020 – 11.4.2021
Museum Ritter
Alfred-Ritter-Str. 27
D-71111 Waldenbuch
Tel.: +49-7157-535110
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 4 €
www.museum-ritter.de

Text: Dr. Julia Behrens
Bild: Museum Ritter
Erstveröffentlichung in kunst:art 76