Das Tier in der Kunst

19.6. – 12.9.2021 | Ludwig Forum Aachen

Ai Weiwei, Fell 1, 1991, Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung © Ai Weiwei, Foto Carl Brunn

Die kritische Reflexion über das von Widersprüchen geprägte Verhältnis des Menschen zum Tier ist im Sommer Gegenstand zweier großangelegter Sonderausstellungen. “Das Tier und Wir. Über ein widersprüchliches Verhältnis“ zeigt Werke der bestehenden Sammlung des Museum August Kestner im Kontext aktueller Debatten um Tierrechte und Tierschutz neu inszeniert. Eindrucksvoll veranschaulicht die Ausstellung anhand vieler Exponate gelebten Widerspruch und Ambivalenzen in der Beziehung des Menschen zum Tier. Von der Antike bis in die Moderne stellt das Museum quer durch die gesamte Kulturgeschichte anhand ägyptischer Reliefs, griechischer Vasen, Medaillen und neuzeitlichen Porzellans Zeugen von Verehrung, aber auch ritueller Tötung im Rahmen von Opfergaben an Gottheiten, Tierdarstellungen aus. Anschaulich zeigen tierische Präparate wie beispielsweise Krokodile oder Haustiere, wie sehr die Gattung im Zusammenhang mit dem Umgang des Menschen mit Tieren steht. Manche gelten als Rohstoff, wie eine Fülle von Objekten aus tierischen Materialien verdeutlicht: Elfenbein, Horn, Federn, Schildpatt, Felle, Leder und Seide. Anderen kommt auch über den Tod hinaus eine Behandlung als Teil der eigenen Familie zu, wie am Beispiel Richard Wagners sichtbar wird, welcher die Gräber seiner Lieblingshunde in direkter Nähe ansiedeln ließ. Moderner Bezug wird auch im Ausstellungskapitel “Du bekleidest mich“ genommen, hier können Besucher verschiedene Pelzmäntel berühren, wie den aus Polarfuchs oder aus Ringelrobbe. Angehängt an diese finden sich Informationen über Tier-Leid und Artenschutz, aber auch über veganes Material und Alternativen zu tierischen Rohstoffen.

Das Ludwig Forum Aachen setzt zu gleicher Thematik in ausgeklügeltem Ausstellungsarrangement hochkarätige Werke der Sammlung (wie Warhol und Beuys) in einen spannenden Dialog mit Positionen junger, zeitgenössischer Künstler. Stefanie Wagner, Mitkuratorin der Ausstellung, beschreibt den Grundgedanken der Sonderausstellung “Lovely Creatures – Tiere, Monster, Meschen in der Kunst“ als kritische Hinterfragung der Position des Menschen im Verhältnis zum Tier – wie sich dieser dem Tier gegenüber verhält. Inhaltlich in fünf übergeordnete Themenbereiche gegliedert, entfaltet die Ausstellung die tiefe und enge Beziehung des Menschen zum Tier in all ihrer Widersprüchlichkeit. Viele Werke sind mehreren Themenbereichen zuzuordnen, woraus sich Überschneidungen ergeben, die Mehrdeutigkeiten und spannende Analogien zwischen Arbeiten sichtbar werden lassen. Mit rund sechzig Kunstwerken nahezu aller Genres wirft die Schau einen weiten wie kritischen Blick auf Mensch und Tier in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Teils ironisch hinterfragen Künstler tradierte symbolisch aufgeladene und oft projektive Darstellungen von Tieren auf ihre aktuelle Gültigkeit wie bei Mary-Audrey Ramirez, deren glänzende Venyl-Bestien oft über den Bildtitel ein Augenzwinkern bekommen. Beide Ausstellungen regen zur Reflexion an und werfen gekonnt die hochrelevante Frage nach Veränderung auf.

 

 

Lovely Creatures. Tiere, Monster, Menschen in der Kunst
19.6. – 12.9.2021
Ludwig Forum Aachen
Jülicher Str. 97–109
D-52070 Aachen
Tel.: +49-241-1807104
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 3 €
www.ludwigforum.de

Text: Johanna Bayram
Bild: Ludwig Forum Aachen
Erstveröffentlichung in kunst:art 80