Ein erfolgreicher Superstar des Barock

22.10.2021 – 20.2.2022 | Staatsgalerie Stuttgart

Peter Paul Rubens, Bildnis eines Mannes mit Schwert, um 1598/99, © Foto Chrysler Museum of Art

Die „Flucht nach Ägypten“, „Der heilige Sebastian“, „Hero und Leander“, die zahlreichen Bildnisse von Adeligen, Kaufleuten und Heiligen – das sind nur einige ausgewählte Gemälde, die Peter Paul Rubens (1577–1640) als erfolgreichsten Maler des Barock in der Stuttgarter Staatsgalerie vorstellen. Seine Freude an der sinnlichen Erscheinung bildet einen scharfen Gegensatz zu der weltentrückten Frömmigkeit der Andachtsbilder der älteren Schule. Rubens widmete sich auch mythologischen Themen und malte Akte mit leuchtender Fleischfarbe. Er zog auf mannigfaltige Weise Inspirationen aus Kunstwerken der Antike, der Renaissance, aber auch aus Bildern seiner Zeitgenossen.
Rubens hat etwa 1.500 Bilder hinterlassen, von denen freilich ein großer Teil von Schülerhänden ausgeführt und von ihm nur ergänzt worden ist. Ein besonderes Gemälde im Besitz der Staatsgalerie ist das Doppelbildnis „Alte Dame mit jungem Mädchen“. Es ist eines der wenigen Porträts, die Rubens für die mächtigsten Familien der Republik Genua fertigte. Es gilt bislang als einziges Rubensoriginal in der Sammlung. Inzwischen gibt es Hinweise, dass zwölf weitere Werke, die mit dem frühen Rubens, seinem Italienaufenthalt und den Anfängen seiner großen Werkstatt in Antwerpen in Verbindung stehen, auch Originale sein könnten.

Die Forschungskampagne zu diesen Gemälden ist Anlass für die ambitionierte Ausstellung, die rund hundert Gemälde und Arbeiten auf Papier zeigt. Zentrale Frage des Ausstellungsprojekts ist: Wie gelingt es ihm, zu einem Maler aufzusteigen, der in ganz Europa gefeiert wird und für dessen Werke bereits Zeitgenossen Höchstpreise zahlen? Die Ausstellung dokumentiert, wie Rubens in seinen frühen Schaffensjahren das Fundament für seinen späteren Erfolg legt. Als Sohn einer angesehenen Familie verfügt er über das nötige Startkapital und lernt noch in der Schulzeit einflussreiche Freunde und spätere Förderer kennen. Dazu kommen sein künstlerisches Talent sowie sein großer Ehrgeiz, als Künstler soziale und monetäre Anerkennung zu erreichen. Rubens verlässt 1600 Antwerpen, um in Italien die Kunst der Antike, der Renaissance und der Zeitgenossen zu studieren. Kontinuierlich erweitert er sein Netzwerk: Er wird Hofmaler des Herzogs von Mantua, porträtiert Angehörige der mächtigen Dogenfamilien in Genua und stellt sich erfolgreich dem Wettbewerb mit anderen Künstlern.

Nach seiner Rückkehr nach Antwerpen baut Rubens eine Werkstatt auf, die durch eine effiziente Arbeitsteilung eine hohe Zahl an Bildern in kurzer Zeit und in hoher Qualität produzieren kann. Eine prägnante Bildsprache wird sein Markenzeichen. Die prominente Platzierung seiner Werke in Kirchen und die weite Verbreitung seiner Bilder machen Rubens zu einer begehrten Marke. Als Geschäftsmann reagiert er auf Angebot und Nachfrage, indem er günstigere Kopien seiner Bilder fertigen lässt. Auch bei der Massenproduktion der Bilder stehen Innovationsanspruch und künstlerische Qualität im Vordergrund. Schnell sind seine Motive in ganz Europa bekannt, was nicht zuletzt an der umfangreichen Kupferstichproduktion liegt. Fazit der Ausstellung: Wenige Künstler haben auf ihre Zeit einen so nachhaltigen Einfluss ausgeübt wie Rubens.

Stefan Simon hat Kunstgeschichte und klassische Archäologie studiert und arbeitet als freier Autor und Kurator.

 

 

Becoming Famous. Peter Paul Rubens
22.10.2021 – 20.2.2022
Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Str. 30 – 32
D-70173 Stuttgart
Tel.: +49-711-470400
Di – So 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 5 €
www.staatsgalerie.de

Text: Stefan Simon
Bild: Staatsgalerie Stuttgart
Erstveröffentlichung in kunst:art 81