Ein Meister des Impressionismus

4.9.2021 – 23.1.2022 | Kunstmuseum Basel | Neubau

Es ist über sechzig Jahre her, dass ein Museum in der Schweiz dem französischen Künstler Camille Pissarro eine Ausstellung widmete. Der 1830 in Dänisch-Westindien, den heutigen Amerikanischen Jungferninseln, geborene und 1903 in Paris gestorbene Künstler gehörte zu den Ausnahmeerscheinungen seiner Zeit. Er war einer der bedeutendsten Vertreter des Impressionismus und dabei der einzige Impressionist, der sowohl der Landschaft wie der menschlichen Figur die gleiche Aufmerksamkeit in seinem Werk schenkte. Als der Impressionismus bei Sammlern ins Blickfeld geriet und die Künstler endlich gut vom Verkauf leben konnten, wandte sich Pissarro in den 1880er Jahren einer zweiten malerischen Revolution zu: dem Neo-Impressionismus. Der Anarchismus war dabei sein Thema. Als politische Programmbilder wollte er seine in diesem Zeitraum entstandenen Werke allerdings nicht verstanden wissen.

Der Vater von Camille Pissarro stammte aus einer marranischen Familie aus Portugal und war als Kind mit den Eltern vor der Inquisition nach Bordeaux geflohen. 1824 wanderte die Familie auf die Antilleninseln aus. In Charlotte Amalie, der Hauptstadt von Dänisch-Westindien auf St. Thomas, betrieb der Vater des Künstlers eine Eisenwarenhandlung. Mit zwölf Jahren wurde Camille Pissarro auf ein Internat in einem Vorort von Paris geschickt. In diesem Alter begann er bereits intensiv zu zeichnen. Sein Zeichenlehrer Auguste Savary, Gründer und Direktor des Internats, bestärkte ihn darin. 1847 holte ihn der Vater zurück, weil Camille die Eisenwarenhandlung übernehmen sollte. Die Bekanntschaft mit dem dänischen Maler Fritz Melbye bestärkte seinen Wunsch, Künstler zu werden. 1855 zog er nach Paris. 1857 kamen die Eltern ebenfalls nach Frankreich zurück.

Sein Lebensweg als Künstler war von Höhen und Tiefen geprägt. Finanziell balancierte er ziemlich oft am Rande der Armut entlang. Erst 1892 gelang ihm der Durchbruch als gefragter Künstler. Sein Förderer, der Kunsthändler Durand-Ruel, hatte ihm eine große Retrospektive ausgerichtet. Camille Pissarro verschloss sich nie neuen Ideen, sondern griff sie auf. Er war ein überzeugter Verfechter der Zusammenarbeit und des Austausches zwischen Künstlern. So interessierte er sich zum Beispiel Mitte der 1880er Jahre für die Farbenlehre.

Die umfassende und spannende Ausstellung vermittelt nicht nur einen Überblick über das Schaffen Pissarros. Eine Rolle spielen zudem seine Freundschaften zu Künstlern verschiedener Generationen wie Paul Cézanne, Paul Gauguin, Claude Monet, Edgar Degas und Mary Cassatt, um nur einige zu nennen. Vor allem mit Paul Cézanne verband ihn ein intensiver Austausch. Camille Pissarro ist für das Kunstmuseum Basel von besonderer Bedeutung. „Un coin de l´Hermitage, Pontoise“ von 1878 war das erste impressionistische Gemälde, das 1912 auf Initiative einiger Künstler und Kunstfreunde angekauft wurde. Es löste zwar Skepsis aus – legte aber so den Grundstein für die Impressionisten-Sammlung des Hauses.

Nadja Naumann liebt vor allem Pissarros Stadtansichten, die der Künstler in den letzten zehn Jahren seines Lebens malte.

 

 

Camille Pissarro. Das Atelier der Moderne
4.9.2021 – 23.1.2022
Kunstmuseum Basel | Neubau
St. Alban-Graben 20
CH-4052 Basel
Tel.: +41-61-2066262
Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
Eintritt: 26 CHF, erm. 8 – 13 CHF
www.kunstmuseumbasel.ch

Text: Nadja Naumann
Bild: Kunstmuseum Basel | Neubau
Erstveröffentlichung in kunst:art 81