Vater des Kubismus

25.9.2021 – 23.1.2022 | Kunstsammlung NRW

Georges Braque, Der Tisch der Bar Stout, 1912/13, Museum Ludwig, Köln

In jener schaffensreichen Periode im Vorfeld des ersten Weltkrieges lösten sich nicht nur Künstler von Galeristen und erhoben sich in Salons der Unabhängigkeit zu eigenen Ausstellern, die Freunde Braque und Picasso enthoben darüber hinaus Farben, Perspektive, Zentriertheit und Modellierung ihrer bisher gekannten Macht und schufen gemeinsam eine neue Epoche der Kunstgeschichte: den Kubismus.

Unverstanden, aber unbeirrt brach Braque mit den bestehenden Normen, löste sich von seiner malerischen Vorbildung, um Perspektive, Form und Farbe neu zu sehen. Die Kunstsammlung NRW widmet dem Maler, Grafiker und Bildhauer der französischen Avantgarde nun im K20 kommenden Herbst die Sonderausstellung „Georges Braque. Erfinder des Kubismus“.

Verglichen mit seinem engen Freund und Schöpferkollegen Pablo Picasso war Braque eher besonnen und schüchtern im Wesen, doch radikal im malerischen Ausdruck. Die Ausstellung hebt Braques achtjährige und revolutionärste Phase des Frühwerkes am Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen 1906 und 1914 hervor. Herausgestellt wird die rasante Schaffensperiode unter Einbeziehung von Braques Spezialmotiven: den Landschaften und Stillleben, anhand derer seine Schnelligkeit im Schaffen, kombiniert mit innovativen und bahnbrechenden Stil- und Materialwechseln sichtbar wird. Dem von Matisse inspirierten Fauvismus folgen Vorkubismus, Analytischer Kubismus, Papiers Collés als Frühform der Collage und synthetischer Kubismus, in rasanter Abfolge und im radikalen Bruch mit dem seinerzeit herrschenden Akademismus.

Rund sechzig Meisterwerke aus internationalen Sammlungen, Museen und Privatbeständen zeugen vom künstlerischen Werdegang Braques, und damit eng gekoppelt verdeutlichen sie exemplarisch die Entwicklung moderner Kunst hin zur Abstraktion. Braques Werke spiegeln seine Auseinandersetzung mit der Perspektive und erzählen vom Umbruch einer Epoche, in welcher das bis dato im Zentrum stehende Sujet vom Gegenständlichen in die abstrahierende Wirklichkeitswiedergabe gehoben wurde. Die Auflösung starrer Muster und Körperformen, Perspektivwechsel ungeahnten Ausmaßes und das Herausarbeiten neuer Sichtweisen auf die bildende Kunst kennzeichnen das Werk des Künstlers.

Die schnellen Entwicklungen der Vorkriegsjahre faszinierten und inspirierten ihn, und die Dynamisierung des Lebens durch Automobile und Flugzeuge sowie neue Medien wie Fotografie und Film prägten den Maler. Die Sonderausstellung greift Braques Leidenschaft für das Kino und seine neuartigen bildtechnischen Möglichkeiten auf und bettet diese anhand von Film- und dokumentarischen Materialien in ihren historischen Kontext ein. Vor diesem Hintergrund zeigt sich dem Besucher der Ausstellung deutlich, welcher Zusammenhang zwischen der Dynamisierung der damaligen Lebenswelt und der damit einhergehenden neuen Wahrnehmungsweise von Wirklichkeit und ästhetischer Formentwicklung der Avantgarde besteht. Eindrücklich spürt die Schau Braques Weg vom jungen, aufstrebenden Rebellen zur Ikone der Moderne nach.

Johanna Bayram lebt und arbeitet als Journalistin in Köln und im Saarland.

 

 

 

Georges Braque. Erfinder des Kubismus
25.9.2021 – 23.1.2022
Kunstsammlung NRW
K20 | Grabbeplatz 5
D-40213 Düsseldorf
Tel.: +49-211-8381204
Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 10 €
www.kunstsammlung.de

Text: Johanna Bayram
Bild: Kunstsammlung NRW
Erstveröffentlichung in kunst:art 81