Mit Wolldecke im Liegestuhl

28.11.2021 – 30.10.2022 | Kirchner Museum Davos

Wir erinnern uns des kurzen Verwandtenbesuchs, den der junge Hans Castorp einst dem Sanatorium Berghof machen wollte und aus dem dann unversehens ein laaaanger Aufenthalt wurde: Thomas Manns Roman „Zauberberg“ (1924) schildert die Atmosphäre in der Davoser Lungenheilanstalt schwebend zwischen Hoffnung, Angst und hitzigen Träumen. Der große Romancier war, angeregt von einem realen, eigenen Besuch dort (1912, bei seiner erkrankten Ehefrau) nicht der Einzige, der dem Zauber des Bergdorfes erlag. Tatsächlich ist Davos seit mehr als 150 Jahren nicht nur wichtiger Schauplatz des medizinisch-technischen Fortschritts (die hier freilich das Unheimliche streifende Röntgenszene im „Zauberberg“!), sondern Kristallisationspunkt europäischer Geistesgeschichte.

Das Davoser Ernst Ludwig Kirchner Museum erzählt in seiner Ausstellung „Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos“ von den beiden Aspekten, die sich hier im Ort begegnen, dem gesundheitlichen und dem kulturellen. Vor 150 Jahren, einer Zeit also, wo der Infektionskrankheit Lungentuberkulose alljährlich ungezählte Menschen zum Opfer fielen, erkannte das abgelegene, bis dahin unbekannte Bergdorf seine Chance: Heilungssuchende und – ein ganz neues gesellschaftliches Phänomen – Sportsfreunde trafen sich im bald international renommierten Lungenkurort: unter ihnen die Manns, Sir Conan Doyle, R. L. Stevenson, Einstein – und natürlich E. L. Kirchner, der gleich ganz dablieb.

 

 

 

 

Europa auf Kur. Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos
28.11.2021 – 30.10.2022
Kirchner Museum Davos
Ernst Ludwig Kirchner Platz
Promenade 82
CH–7270 Davos
Tel.: +41-81-4106300
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 12 CHF, erm. 5 – 10 CHF
www.kirchnermuseum.ch

Text: Dieter Begemann
Bild: Kirchner Museum Davos
Erstveröffentlichung in kunst:art 82

Über Dieter Begemann 207 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!