Absolut nebulös

8.4. – 31.7.2022 | Haus der Kunst

Fujiko Nakaya, Fogscape #03238 Fujiko Nakaya in collaboration with Simon Corder, Durham, 2015, Foto Simon Corder

Sie unterläuft sämtliche Grundvorstellungen, die wir so von Bildhauerei haben: Der Japanerin Fujiko Nakaya ist das Beständige tatsächlich völlig schnuppe, das Solide, gar Unzerstörbare, das wir mit den üblichen bildhauerischen Materialien wie Stein und Bronze (und auch noch den modernen Kunststoffen und industriellen Fundobjekten) verbinden. Bildhauerei zielte stets auf Dauer und selbst wenn die Künstler seit den 1960ern mit per se bröselnden Materialien hantierten, sind spätestens heute die Restauratoren der Museen um ihre kostbar gewordenen Artefakte pflegerisch bemüht. Fujiko Nakayas Werkstoff aber ist die Flüchtigkeit selbst: der Nebel. Was ist flüchtiger als Wasserdampf? Er bildet Formen durch Kondensation, die sich mit Luftbewegung und Temperaturveränderung zumeist rasch wieder spurlos auflösen. Die spezifische Qualität des dermaßen Flüchtigen formuliert die Künstlerin so: „Nebel lässt sichtbare Dinge unsichtbar werden, während unsichtbare – wie Wind – sichtbar werden.“

Das Münchner Haus der Kunst widmet der 1933 im japanischen Sapporo geborenen Nakaya die erste Museumsschau außerhalb ihres Heimatlandes. Inspiriert vom in den 1970ern langsam aufkommenden Umweltbewusstsein entschied sie sich damals für eine Kunst ohne materiellen Bestand, vielleicht aber spielte im Hintergrund auch ein Einfluss buddhistischen Denkens hinein. Neben Nebelskulpturen und ihren Dokumentationen sind im Rahmen dieser Retrospektive auch frühe Gemälde zu sehen.

 

 

 

 

Fujiko Nakaya
8.4. – 31.7.2022
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
D-80538 München
Tel.: +49-89-21127113
Mo + Mi – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 22 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 6 € ??
www.hausderkunst.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Haus der Kunst
Erstveröffentlichung in kunst:art 84

Über Dieter Begemann 175 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!