Der unsichtbare Künstler im Mittelpunkt

14.5. – 11.9.2022 | Museum im Kleihues-Bau

Die Suche nach einer Schublade für Thorsten Brinkmann ist schwierig: Ist er ein Performer? Ein Fotograf? Sind es Skulpturen, die er herstellt? Oder doch eher Bilder? Er ist all das und doch wiederum nichts davon. Seine Kunst hat Elemente, die an Thorsten Demandt erinnern, da er ähnlich wie dieser Kulissen herstellt und abfotografiert, und doch liegen in der Ausführung und in der Aussage Welten dazwischen. Tal R arbeitet ähnlich wie Brinkmann mit gefundenen Gegenständen und macht aus diesen Skulpturen und Bilder. Auch hier gibt es Überschneidungen, doch diese enden recht schnell wieder. Brinkmann ist als Künstler deshalb so interessant, weil er sein eigenes Genre geschaffen hat, weil er in keine der bequemen Schubladen zu passen scheint.

Thorsten Brinkmann wurde 1971 in Herne geboren und lebt und arbeitet jetzt in Hamburg. Ab 1994 studierte er an der Kunsthochschule Kassel, 1997 wechselte er an die Hochschule für bildende Künste Hamburg. Dort war Bernhard Blume, Teil des Künstlerpaars Anna und Bernhard Blume, die stets mit Fotografie und Ironie gearbeitet haben, sein erster Professor. Man tritt Thorsten Brinkmann, der sein Studium in Hamburg 2004 als Meisterschüler von Franz Erhard Walther erfolgreich abschloss, bestimmt nicht zu nahe, wenn man seiner Kunst den Einfluss von Bernhard Blume anmerkt.

Die Performancekunst der 1970er Jahre beschreibt Brinkmann selbst als Vorbild, doch ihm gefällt die zu dominante Rolle des Künstlers im Werk nicht. Das Werk soll im Vordergrund stehen, nicht sein Gesicht. So destilliert er das performative Element heraus, sucht sein Material, verkleidet und verhüllt sich und fotografiert sich per Selbstauslöser so, dass sein Gesicht und auch sein Körper selbst im Kunstwerk verschwinden. Dabei persifliert er die Ahnengemälde vergangener Zeiten und fügt diesen seine Interpretationen hinzu.

Neben den Fotografien in Verkleidung inszeniert Thorsten Brinkmann auch Räume, die er in einem erfundenen Burgkitsch erstrahlen lässt. Viel Stoff, Teppiche, Ornamentik, skurrile Skulpturen und Objekte erinnern an eine Mischung aus trumpesker Überladung, Gelsenkirchener Barock und zweifelhaften Etablissements um 1900.

Die performativen Fotografien, Skulpturen aus Fundstücken und seinen Rauminstallationen haben eines gemeinsam: Skurrile Titel wie „Rose la nuit“ (2012), „Jean D’esk“ (2018) und „Venus la Shade“ (2015) untermauern augenzwinkernd die feine Ironie des Künstlers.

 

 

 

Thorsten Brinkmann. Kastell Inn
14.5. – 11.9.2022
Museum im Kleihues-Bau
Stuttgarter Str. 93
D-70806 Kornwestheim
Tel.: +49-7154-2027401
Fr – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 5,50 €, erm. 2,50 €

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Museum im Kleinhues-Bau
Erstveröffentlichung in kunst:art 85

Über Mathias Fritzsche 94 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?