Künstlerische Auseinandersetzung in der Bildhauerei

10.4. – 14.8.2022 | Kunsthalle Talstrasse

Jean Tinguely, Proletkunst No 3, 1989, © Kunsthaus Lempertz, Foto S. Fuis Photographie, Köln

Bronze, Gips, Holz, Ton, Marmor und Stein sind die traditionellen Materialien in der Bildhauerei. Erst relativ spät kamen Eisen und Stahl dazu. In den 1930er-Jahren sahen Julio Gonzales, Pablo Picasso und Naum Gabo in den beiden Materialien erstmals Potenzial für eine künstlerische Auseinandersetzung. Auch aus Schrott ließen die Künstler Skulpturen entstehen. Die metallische Bandbreite reicht bis heute von monumentaler Großplastik bis hin zu feingliedrigen kinetischen Objekten.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der zweiten Generation von Metallkünstlern wie Norbert Kricke, George Rickey, Robert Jacobsen, Anthony Cro und Jean Tinguely, die nach dem Zweiten Weltkrieg vor dem Hintergrund der Klassischen Moderne nach neuen Ideen für ihr Schaffen suchten, sowie mit den nachfolgenden Künstlern aus Ost- und Westdeutschland und darüber hinaus.

Die ausgestellten Werke der rund zwanzig Künstler vermitteln dem Besucher einen internationalen Überblick über die Vielfältigkeit von Eisen- und Stahlplastiken. Dabei darf der Schweizer Künstler Jean Tinguely (1925–1991) natürlich nicht fehlen. Er gehört zu jenen Kreativen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren die kinetische Kunst wieder bekannt machten. Bei den sich durch Wind, Wasser oder Gravitation bewegenden Objekten verwendete Tinguely meist selbst gefundene Materialien.

Die heutige Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle blickt auf eine 100-jährige Tradition der Metallbildhauerei zurück. Bereits 1922 entstand eine eigene Metallwerkstatt, für die der damalige Direktor Paul Thiersch den Berliner Künstler Karl Müller (1888–1972) als Leiter berief und ab 1951 als Professor. Ihm und der Schmuckgestalterin Dorothea Prühl (* 1937) ist eine Kabinettausstellung gewidmet.

Zu Müllers Schülerinnen gehörte Irmtraud Ohme (1937–2002), die in der Fachrichtung Metall und Email an der Burg studierte und ab 1981 als Professorin in Halle lehrte. Ihre monumentalen Stahlplastiken sind bis heute im Stadtbild der Saalestadt präsent und faszinieren den Betrachter mit der Wucht ihrer schnörkellosen Aussagekraft.
Einer, der es abstrakt liebte, war der britische Bildhauer Anthony Caro (1924–2013). Von 1951 bis 1953 war er Assistent von Henry Moore. 1964 und 1968 nahm er an der Documenta in Kassel teil. 1987 wurde Caro von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen. Seine Arbeiten schuf er bevorzugt aus Schrott.

Der dänische Bildhauer Robert Jacobsen (1912–1993) war Autodidakt. 1947 erhielt er ein Kunststipendium in Paris, wo er bis 1969 lebte und arbeitete. Ab 1947 beschäftigte er sich mit Eisenskulpturen, 1959 nahm er an der Documenta teil . Er lehrte von 1962 bis 1981 an der Akademie der Bildenden Künste München und ab 1976 bis 1985 an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Seine Plastiken schuf er aus offenen Eisenkonstruktionen.

Miteinbezogen in die Schau ist der Felsengarten der Kunsthalle, wo unter anderem ein Windspiel von Jörg-Tillmann Hinz (* 1947) und eine Figurengruppe von Irmtraud Ohme zu sehen sind.

 

Eisen- und Stahlplastik. Aspekte einer Entwicklung
10.4. – 14.8.2022
Kunsthalle Talstrasse
Talstr. 23
D-06120 Halle (Saale)
Tel.: +49-345-5507510
Mi – Fr 12 – 19 Uhr, S + So 13 – 18 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 5 €
www.kunstverein-talstrasse.de

Text: Nadja Naumann
Bild: Kunsthalle Talstrasse
Erstveröffentlichung in kunst:art 85