Marcel Duchamp

bis zum 3.10.2022 | Museum Moderner Kunst

Marcel Duchamp, Fountain (Fontäne), 1917/1964, The Vera and Arturo Schwarz Collection of Dada and Surrealist Art in the Israel Museum, © Association Marcel Duchamp, Foto F. Cambeis

Marcel Duchamp (1887–1967) hat die Kunstgeschichte unverwechselbar geprägt und das Verständnis von Kunst revolutioniert. Sein „Nu descendant un escalier no. 2 (Akt eine Treppe herabsteigend Nr. 2)“ (1912) und seine Readymades bereiteten den Weg zur Konzeptkunst. Er wurde zum Vorbild der Avantgarde, zu einem der Wegbereiter des Dadaismus und Surrealismus und zur Ikone für künftige KünstlerInnengenerationen. „… ein Werk (wird) vollständig von denjenigen gemacht, die es betrachten oder es lesen und die es, durch ihren Beifall oder sogar durch ihre Verwerfung, überdauern lassen“, so Marcel Duchamp 1956.

Das MMK in Frankfurt zeigt jetzt mit fast 700 Arbeiten aus allen Schaffensphasen die erste große Retrospektive seit zwei Jahrzehnten. Ein umfassender Katalog ergänzt die Schau. Man kann die Entwicklung des Ausnahmekünstlers verfolgen. Die ersten eigenen Werke, die durch den Impressionismus geprägt waren, sich dann mehr mit der Grafik, der Karikatur und dem Kubismus auseinandersetzten. Schließlich fand er durch seine Künstler-Geschwister Anschluss zum Kreis um Guillaume Apollinaire.

Ein Besuch in München 1912 und die Luftfahrtschau in Paris wandelten seine Einstellung zur Malerei. Er bemerkte zu Constantin Brancusi: „Die Malerei ist am Ende. Wer kann etwas Besseres machen als diese Propeller?“ Zudem wendete er sich verstärkt literarischen Quellen zu. 1913 schuf er sein erstes Readymade „Roue de Bicyclette (Fahrrad-Rad)“. Für ihn bedeutete die Auswahl eines Gegenstandes, wenn man ihn von seiner Zweckgebundenheit befreit und es in einen Ausstellungskontext stellt, diesen zum künstlerischen Werk zu stilisieren. In der New Yorker Ausstellung „Armory Show“ (1913) erhitzte das Werk die Gemüter und machte den Namen Duchamp über Nacht bekannt. Es folgten „Flaschentrockner“ (1914) und „Fontäne“ (1917). Diese Arbeiten veränderten den Kunstbegriff grundlegend.

1915 zog er nach New York, wo er publizierte und vielfältig künstlerisch tätig war. Drei Jahre später malte er sein letztes Ölbild auf Leinwand, bevor er nach Buenos Aires reiste. Hier beschäftige sich der passionierte Schachspieler noch mehr mit dem Thema, das sich später in seinen Werken widerspiegelte. Die Malerei bezeichnete er hingegen als „retinal“ und „olfaktorische Masturbation“. Sie schien ihm veraltet im Angesicht neuer Medien wie der Fotografie und dem Film.

1919 kehrte er nach Paris zurück und bewegte sich im Kreis um André Breton und seinem surrealistischen Zirkel. Im gleichen Jahr entstand „L.H.O.O.Q.“ und er erfand sein weibliches Alter Ego Rrose Sélavy. Dieses wird in der aktuellen Geschlechterdebatte wieder zum Thema. Fotografische und filmische Arbeiten folgten. In späteren Jahren arbeitete er verstärkt als Schriftsteller und Kurator. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges emigrierte er endgültig in die USA, wo er 1968 starb.

Seine Werkkonzepte überdauern die Zeit und sind einmalige Zeugnisse eines Künstlers, der es schaffte, sich vom Mainstream-Gedanken zu lösen, Kunst neu zu denken, und so einen völlig neuen Ansatz schuf, der zeitgenössische Kunstströmungen unwiderruflich beeinflusst hat.

 

 

 

 

Marcel Duchamp
bis zum 3.10.2022
Museum Moderner Kunst
Domstr. 10
D-60311 Frankfurt am Main
Tel.: +49-69-21230447
Di – So 11 – 18 Uhr, Mi 11 – 19 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 6 €
www.mmk.art

Text: Liane Wendt
Bild: Museum Moderner Kunst
Erstveröffentlichung in kunst:art 85