Getrennt in eine gemeinsame Zukunft

21.5. – 18. 9. 2022 | Kunstmuseum Wolfsburg

Lee Bul, Aubade V, 2019 (Installationsansicht: 58th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia), Court. die Künstlerin und Lehmann Maupin New York, Hong Kong, Seoul, London, Foto Roberto Marossi

Nach der Vereinigung von Vietnam, das bis zum Ende des Krieges in Nord und Süd geteilt war, sowie der Wiedervereinigung Deutschlands mit dem Mauerfall, ist Korea wohl das letzte Gebiet, das nach dem Zweiten Weltkrieg noch geteilt ist, ebenfalls in Nord und Süd.

Mit dieser Thematik der Teilung Koreas, wobei in den beiden Landesteilen auch zwei völlig unterschiedliche Gesellschaftssysteme herrschen, beschäftigt sich die Ausstellung „Checkpoint. Grenzblicke aus Korea“, in der 35 Kunstwerke von koreanischen sowie von nichtkoreanischen Künstlerinnen und Künstlern aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie und Video gezeigt werden.

So wie noch bis zur Wiedervereinigung der Checkpoint Charlie in Berlin ein Symbol der Teilung Deutschlands war, so ist auch die Demarkationslinie (DMZ) auf dem 38. Breitengrad der koreanischen Halbinsel die Manifestation der dortigen Teilung. Diese Teilung Koreas ist dabei nicht nur eine räumliche Trennung, sondern ebenso, wie dies bei Deutschland und Vietnam der Fall war, auch eine ideologische und politische Trennung.

Die Ausstellung im Kunstmuseum in Wolfsburg zeigt unter anderem auch seltene Fotografien, die in Nordkorea aufgenommen wurden, und das fast irreal anmutende Straßenbild der dortigen Städte. Gleichermaßen ist die Demarkationslinie angsteinflößend, obwohl diese absolute Verbotszone auch touristischer Anziehungspunkt und Rückzugsgebiet für die Natur ist.

Gegenwärtig erscheint die Teilung Koreas fast fest zementiert. Zwei völlig unterschiedliche Systeme findet man in diesen beiden Ländern, wobei Nordkorea wohl wie kein anderes Land der Welt sich in einer fast vollständigen Isolation befindet, sodass die Aussicht auf eine zukünftige oder gar baldige Vereinigung von Nord und Süd als eine völlig unrealistische Zukunftsperspektive erscheint.

Dennoch haben sich die Teilnehmer dieser Ausstellung Gedanken zu einer positiven Entwicklung gemacht und künstlerische Positionen um die Aussicht auf eine friedliche Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea präsentiert. Während Südkorea sich inzwischen zu einem demokratischen Staat entwickelt hat und der Präsident oder die Präsidentin vom Volk gewählt wird, ist Nordkorea zwar der Verfassung nach eine demokratische Volksrepublik, wird aber tatsächlich von der Familie Kim beherrscht, gegenwärtig vom Enkel des Staatsgründers Kim Il-sung, dem noch jungen Kim Jong-un. Dieses abgeschlossene Land Nordkorea macht inzwischen nur noch dann auf sich aufmerksam, wenn es Atomwaffen oder Raketen testet, ansonsten ist das Innenleben dieser Diktatur für die Weltöffentlichkeit ein großes Geheimnis. Für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler erscheint dennoch die Perspektive einer Vereinigung durchaus möglich, weil einfach zusammenkommen wird, was zusammengehört, wie es Willy Brandt in Bezug auf die Wiedervereinigung der beiden deutschen Teile ausdrückte, an die im Jahre 1989 in Wirklichkeit auch niemand ernsthaft glauben konnte.

Bence Fritzsche ist Chefredakteur der Zeitschrift atelier.

Checkpoint. Grenzblicke aus Korea
21.5. – 18. 9. 2022
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
D-38440 Wolfsburg
Tel.: +49-5361-266969
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 5 – 10 €

Text: Bence Fritzsche
Bild: Kunstmuseum Wolfsburg
Erstveröffentlichung in kunst:art 86