Fra Far – Vom Vater

bis zum 21.8.2022 | Bergen Kunsthall

1975 tötete der norwegische Filmregisseur Arnljot Berg in Paris seine zweite Frau Evelyne Zammit. Seine neunjährige Tochter Lene Berg befand sich damals mit ihrer Mutter in Norwegen und erlebte gemeinsam mit ihrem Bruder alles aus der Ferne mit.

Jetzt, fast fünfzig Jahre später, arbeitet Lene Berg, in Berlin lebende Künstlerin und Dokumentarfilmerin, im Rahmen der wichtigen Festivallausstellung in der Kunsthalle Bergen ihre Familiengeschichte mit einer installativen Arbeit, die Film- und Soundelemente enthält, auf. In den fünf Räumen der Kunsthalle hat sie im Mittelraum ein klares Zentrum geschaffen. Hier wird in Dauerschleife ein Trickfilm gezeigt, der die Tatnacht in Paris aus der vermeintlichen Erinnerung Lene Bergs zeigt. Vermeintlich, da sie sich mehr als tausend Kilometer entfernt aufgehalten hat. In den zwei Räumen links davon sind ihre kindlichen Erinnerungen, Ängste, Unterhaltungen mit ihrer Mutter und Briefwechsel mit ihrem Vater zu entdecken. Rechts des Zentrums ist zuerst eine große Installation mit Filmrollen und Lichtkegeln aufgebaut, die eine künstlerische Verbindung zu ihrem Vater darzustellen scheint. Im Raum ganz rechts sind Filme ihres Vaters zu sehen und in einer Videoarbeit sprechen Schauspieler Texte von ihm.

In eindringlichen und sehr persönlichen Bildern zeigt Lene Berg, dass Erinnerungen eigene, subjektive Wahrheiten erschaffen. Die Erinnerungen des neunjährigen Mädchens sind nicht richtig oder falsch. In einer Soundarbeit fragt das Mädchen ihre Mutter: „Ist Vater böse?“.

Lene Berg. Fra Far (Vom Vater)
bis zum 21.8.2022
Bergen Kunsthall
Rasmus Meyers allé 5
N-5015 Bergen
Tel.: +47-940-15050
Di – So 11 – 17 Uhr, Do 11 – 20 Uhr
Eintritt: 50 NOK, erm. 25 NOK
www.kunsthall.no

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Bergen Kunsthall
Erstveröffentlichung in kunst:art 86

Über Mathias Fritzsche 92 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?