Kunstvoll gegen den Krieg

26.6. – 23.10.2022 | Museumsberg Flensburg

Yuri Kosin, Lenin muss umziehen, 2004

Ein einzelnes Foto kann den Krieg nicht beenden, aber ein Bild führt unverhohlen vor Augen, was Krieg und seine Folgen ausmacht. Fotografien erfassen Momente, halten diese fest und enthüllen eine Wirklichkeit, die den Atem raubt wie das Bild des ertrunkenen syrischen Flüchtlingskindes oder das als “Napalm-Mädchen“ betitelte Bild des Vietnamkrieges. Sie brennen sich in das Gedächtnis ein und mobilisieren Tatendrang und Emotion.

Zwei Fotografen, seit über dreißig Jahren befreundet und nun im Exil, stellen ihre Bilder dem Krieg entgegen. “Photo no Shooting!“ zeigt als spontan errichtete Sonderausstellung Werke von Yuriy Kosin, welcher aus der Ukraine fliehen konnte, und Dmitry Vyshemirsky, der bereits vor Jahren aus Russland nach Berlin emigrieren musste. Beide thematisieren in ihren preisgekrönten Arbeiten Veränderungen ihrer Heimat seit dem Ende der Sowjetzeit, entziehen dunkelste Kapitel der Geschichte dem Verborgenen und richten ihren Fokus auf das, was gerade droht verloren zu gehen. Verschiedene Räume der Ausstellung erzählen Geschichte in Bildern, wie Yuriy Kosins dokumentarische Arbeiten zum Super-GAU in Tchernobyl, der Orangenen Revolution und den Maidan-Protesten. Vyshemirskys Arbeiten zeigen unter anderem Überreste der Gulag-Konzentrationslager im Norden Russlands sowie Demonstrationen gegen den Ukraine-Krieg vor der Russischen Botschaft in Berlin. Beide Künstler zeigen russisches wie ukrainisches Leben vor und während des Krieges, setzen diesem gemeinsam als Künstler die Macht der Bilder entgegen und leben Freundschaft gegen Spaltung.

Photo no Shooting!
26.6. – 23.10.2022
Museumsberg Flensburg
Museumsberg 1
D-24937 Flensburg
Tel.: +49-461-852956
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 3 €
www.museumsberg-flensburg.de

Text: Johanna Bayram
Bild: Museumsberg Flensburg
Erstveröffentlichung in kunst:art 86