Jenseits der Zivilisation

15.9.2022 – 19.2.2023 | Kunst Haus Wien

Gregor Sailer, Fahrzeug-Testgelände, Carson City, Schweden, 2016, aus der Serie The Potemkin Village

Gregor Sailer geht an Grenzen. An seine eigenen körperlichen, an politische und an die Grenze von Wahrheit und Täuschung. In aufwendigen Expeditionen bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius bereiste Sailer entlegene Gebiete der Arktis, dokumentierte Spuren menschlichen Daseins und Folgen des Klimawandels. Die Serie “The Polar Silk Road“ inszeniert meisterhaft Spuren politischen Geschehens an Randzonen der Zivilisation und informiert den Betrachter über das Ringen um territoriale Ansprüche, subtile Formen von Teilhabe an freigelegten Rohstoffen sowie am globalen Machtkampf um den Wirtschaftsraum Arktis.

„Unseen Places“ sammelt als Sonderausstellung Auszüge aus den Serien „The Polar Silk Road“, “The Potemkin Village“, “Closed Cities“ und „Subraum“. Seine menschenleeren Fotografien von Architektur sind stumme Zeugen politischer Dynamiken und Konflikte, enttarnen Hausfassaden als skurrile Formen der Täuschung und offenbaren dem Betrachter in faszinierender Ästhetik Vorgänge mit politischer Sprengkraft. Sie geben den Blick frei auf verborgene Landschaften, militärische Sperrgebiete und Forschungseinrichtungen und zeigen, wie in aller Stille, fernab unserer Wahrnehmung, bereits eine „zunehmende Militarisierung rund um den Nordpol“ stattfindet, so der Künstler. Es sind Gebiete, deren Erschließung klima- und machtpolitisch relevante Zukunftsszenarien erahnen lässt. Sailers Werke sind Bild und Botschaft zugleich. Botschaften einer düsteren Zukunft, welche man nur anschauen mag, weil Sailers Bilder atemberaubend schön sind.

Gregor Sailer. Unseen Places
15.9.2022 – 19.2.2023
Kunst Haus Wien
Untere Weißgerberstr. 13
A-1030 Wien
Tel.: +43-1-7120491
Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt: 9 €, erm. 5 €
www.kunsthauswien.com

Text: Johanna Bayram
Bild: Kunst Haus Wien
Erstveröffentlichung in kunst:art 87