Verleger und Mäzen

1.10.2022 – 23.3.2023 | Kunstmuseum Ahrenshoop

Dörte Helm, Ahrenshoop – Häuser, 1925

Unter üblichem Blickwinkel scheint die Kunstgeschichte aus den Künstlern zu bestehen, den Galeristen und vielleicht noch den Käufern (wenn es denn welche gab): Erst in jüngerer Zeit wird man aufmerksamer auf die Netzwerke, soziale, kommunikative und atmosphärische, die überhaupt erst die Bedingungen schöpferischer Arbeit bereitstellen. Deren Akteure können Institutionen sein oder Einzelpersönlichkeiten. Einen „Ermöglicher“ von hohen Graden stellt jetzt das Kunstmuseum Ahrenshoop vor: Peter E. Erichson (1881–1963) war im ersten Beruf Inhaber und Mastermind des Rostocker Hinstorff-Verlages. Das Haus mit seinem Programm von anspruchsvoller Belletristik und wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus den Universitäten von Rostock, Greifswald und Hamburg gründete Erichson sozusagen gleich zweimal, bei der Übernahme eines Vorgängerunternehmens 1907 und erneut nach den Kriegszerstörungen 1945.

Erichsons leidenschaftliche Liebe aber gehörte der Kunst und den Künstlern. Sein Sommerhaus in Ahrenshoop – es war das vormalige Atelierhaus des Malers Friedrich Wachenhusen – wurde zu einem der kommunikativen Hotspots der dortigen Künstlerkolonie seit den 1920ern. Erichson, der bald den Ehrentitel eines „Königs von Ahrenshoop“ erwarb, kannte jedermann (und jedefrau), er wurde zum Mäzen und geistigen Anreger in vielfacher Hinsicht. Diesem Verhältnis zur Kunst insbesondere ist der Historiker Wolf Karge nachgegangen, der als Kurator die Ausstellung betreut. Der Katalog erscheint natürlich im – Hinstorff-Verlag!

Der “König” vom Fischland. Peter E. und die Kunst
1.10.2022 – 23.3.2023
Kunstmuseum Ahrenshoop
Weg zum Hohen Ufer 36
D-18347 Ostseebad Ahrenshoop
Tel.: +49-38220-66790
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 5 €
www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Kunstmuseum Ahrenshoop
Erstveröffentlichung in kunst:art 87

Über Dieter Begemann 205 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!