Einzigartig

25.8. – 13.11.2022 | Kunsthaus Langenthal

Susi und Ueli Berger, Autobegrasung, 1978

Das Kunsthaus Langenthal zeigt in einer Ausstellung das mehr als vier Jahrzehnte währende innovative Schaffen des Schweizer Künstlerpaares Susi und Ueli Berger im öffentlichen Raum. An zahlreichen Plätzen und Gebäuden in der Schweiz sind Skulpturen zu finden, die vom Ideenreichtum der beiden Künstler und Designer zeugen. Das kreative Paar arbeitete mit großem Erfolg: Von rund 140 Entwürfen wurden 103 tatsächlich realisiert.

Einige Arbeiten, die die Künstler für den öffentlichen Raum anfertigten, sind durchaus pragmatisch: So bereichern die „Pausenplatzskulpturen“ bereits seit den 1970er-Jahren die Schulhöfe in den Orten Baar und Gümligen und laden die Kinder zum Herumtoben und Spielen ein.

Bekannt ist die aus roten, geschwungenen Linien bestehende Skulptur „Chribel“, die seit 1986 den Raum vor dem Hauptgebäude der Mobiliar Versicherung in Bern ziert. Als ein witziger, aber auch hintergründiger Hingucker erweist sich das Werk „Autobegrasung“, bei dem ein VW-Käfer vollkommen mit frischem grünem Gras bedeckt wurde. Die in den Asphalt eingelassenen Milchkannen der Arbeit „Hommage an das Milchgässli“ auf dem Bahnhofsvorplatz in Bern wurden leider bei der Neugestaltung des Platzes entfernt und nicht wieder aufgestellt.

Anhand von Skizzen, Plänen, Fotografien, Modellen und auch Korrespondenz kann man sich einen umfangreichen Überblick über das außergewöhnliche Leben und Werk von Susi und Ueli Berger verschaffen. Im Laufe ihrer Karrieren, die neben den gemeinsamen Projekten auch jeweils eigene Solo-Arbeiten beinhalteten, unterlagen die Künstler verschiedenen Strömungen in Kunst und Design.

Während Susi Berger sich solo vor allem als Grafikdesignerin einen Namen machte, realisierte Ueli Berger in den 1960er-Jahren Kunstprojekte unter anderem mit der Avantgarde-Gruppe „Bern 66“. In seinen Anfangsjahren als Designer war er Anhänger der sogenannten „Guten Form“, einer Richtung, die aufgrund ihrer sachlichen, funktionalen und dennoch ästhetischen Ausrichtung auf die Langlebigkeit von Designprodukten abzielte. Später entwickelte das Paar eigenständige Designprodukte, insbesondere im Bereich des Möbelbaus. Neue Werkstoffe ermöglichten eine ganze Bandbreite an eigenständigen, fantasievollen Formen, die vor allem junge Leute ansprechen sollten.

Kooperationen mit namhaften Möbelfirmen bestätigten, dass Susi und Ueli Berger den damaligen Zeitgeist getroffen hatten. Die in serieller Produktion gefertigten Möbel, wie der aus einem Block Polyurethanschaum gefertigte „Soft-Chair“ oder das Kung-Fu-Regal, das mit seiner roten Farbe an traditionelle chinesische Möbel erinnert, sind Klassiker, die bis in die heutige Zeit an Aktualität nichts eingebüßt haben.

In der Ausstellung werden ausschließlich Arbeiten gezeigt, die von Susi und Ueli Berger für den öffentlichen Raum konzipiert wurden. Sie verdeutlicht eindrücklich die konzeptionelle Vielfalt im Werk des Schweizer Paares. Zur Ausstellung erscheint das Buch „Susi und Ueli Berger, Kunst am Bau und im öffentlichen Raum 1968–2008“, das den Beitrag des Paares für zur Schweizer Kunst aufarbeiten und präsentieren soll.

Susi+Ueli Berger. Kunst am Bau und im öffentlichen Raum 1968–2008
25.8. – 13.11.2022
Kunsthaus Langenthal
Marktgasse 13
CH-4900 Langenthal
Tel.: +41-62-9226055
Mi – Fr 14 – 17 Uhr, Sa + So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 8 CHF, erm. 5 CHF
www.kunsthauslangenthal.ch

Text: Karin Gerwens
Bild: Kunsthaus Langenthal
Erstveröffentlichung in kunst:art 87