Von der Abwesenheit

25.9.2022 – 29.1.2023 | Pforzheim Galerie

Leo Staigle, Freiland, 2022

Auf den ersten Blick scheint alles klar zu sein in den großformatigen Acrylmalereien des 1991 geborenen Künstlers Leo Staigle. Der Blick schweift entlang aufgeräumter Innenräume, große Fensteröffnungen geben den Blick frei auf ebenso nüchtern und kalkuliert entworfene Naturwelten. Schaut man sich die Bildszenarien von Leo Staigle, der sich nach seinem Studium des Industrial Design erst vor zwei Jahren äußerst konsequent der Malerei widmete, jedoch genauer an, so werden mehr und mehr die Erwartungshaltungen unterlaufen.

Ständiger Perspektivwechsel und raffiniert angelegte Verzerrungen entführen den Betrachter in geometrisch angelegte, surreale Bildwelten. Was ist Innenraum, was Außenraum? Sind die designten Landschaftsfragmente Teile einer sichtbaren Wirklichkeit oder lediglich Reminiszenzen daran und den architektonischen Versatzstücken ebenbürtig? Und wo bleibt überhaupt der Mensch? Er könnte es sich doch mehr oder weniger bequem machen auf den Designerliegen, die nahezu in jedem der Bilder, auch in den Schneelandschaften auftauchen. Staigle: „In meiner Vorstellung ist er da. Er könnte jeden Moment heranspazieren“. Und dass er latent da ist, macht Staigle mit seinen architektonischen Entwürfen deutlich. 30 Billionen Tonnen – so viel ungefähr wiegt das gesamte von Menschenhand Geschaffene zu Wasser, Land und in der Luft, mit dem sich der Homo sapiens aktuell umgibt. Das sind statistisch 50 Kilogramm auf jedem Quadratmeter Erde. Wo bleibt da die Natur? Staigle holt sie sich als formalen, organischen Gegensatz zu den strengen konstruktiven Elementen mehr und mehr in seine Bildwelten. Und gibt damit dem Betrachter weitere Rätsel auf.

Leo Staigle
25.9.2022 – 29.1.2023
Pforzheim Galerie
Bleichstr. 81
D-75173 Pforzheim
Tel.: +49-7231-393930
Mi + Sa 14 – 17 Uhr, So 10 – 17 Uhr
Eintritt frei
www.pforzheim.de/pforzheim-galerie.html

Text: Stefan Simon
Bild: Pforzheim Galerie
Erstveröffentlichung in kunst:art 87