Sammler als Karrieremotor

13.8.2022 – 22.1.2023 | Kunstmuseum Basel

Marc Chagall, Der Jude in Schwarz-Weiss, 1914, Detail

Das Kunstmuseum in Basel verfügt über einen beneidenswert reichen Bestand an herausragenden Werken der klassischen Moderne: Picasso, Chaïm Soutine, Alexej von Jawlensky und eben auch Marc Chagall. An dessen Beispiel geht nun das Haus in einer aufschlussreichen Sonderschau der Frage nach, wie die Karriereentwicklung eines Künstlers von privaten Sammlern beeinflusst wird. Ganz klar, der Verkauf eines Gemäldes beispielsweise an einen Privatkunden bringt dem Künstler zunächst womöglich dringend benötigtes Geld in die Kasse: Was aber sind, jenseits des bloßen „Gefallens“, die Beweggründe für den Kauf, wie wirkt sich der Geschmack des Kunden auf die weitere Produktion des Künstlers aus und welche Funktion haben private oder soziale Beziehungen des Käufers für die künftige Karriere des Künstlers?

„Ich hätte gern einen typischen Chagall“: Der launige Satz als Titel der Ausstellung stammt von einem der wichtigsten frühen Sammler des jüdisch-russischen Malers, Karl Im Obersteg aus Basel, der sich 1935 mit diesem Wunsch nach einem ins Wohnzimmer passenden Gegenüber für seinen Picasso an Chagall wandte. War dieser Sammler (und spätere großzügige Stifter an das Basler Museum) an vor allem an künstlerischer Avantgarde in breiterem Sinne interessiert, so ging es Yakow Kagan-Chapchay eher um die spezifisch jüdische Komponente des Künstlers und Maja Sacher-Stehlin vor allem um den surrealistischen Aspekt. Die Ausstellung vereint Werke Chagalls mit Dokumenten zur Stiftung Im Obersteg.

«Ich hätte gerne einen typischen Chagall»
13.8.2022 – 22.1.2023
Kunstmuseum Basel
Hauptbau
St. Alban-Graben 16
CH-4051 Basel
Tel.: +41-61-2066262
Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
Eintritt: 26 CHF, erm. 25 CHF
www.kunstmuseumbasel.ch

Text: Dieter Begemann
Bild: Kunstmuseum Basel
Erstveröffentlichung in kunst:art 87

Über Dieter Begemann 215 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!