Teppichklopfer als Ethnologe

19.11.2022 – 12.3.2023 | Museum der Moderne Salzburg

Nudelhölzer, Wäscheklammern, Kochlöffel und eben auch Teppichklopfer sind die verdeckten Ermittler oder Forschungsreisenden, die Wiebke Siem in fremdes Land aussendet. Und was sie dort entdecken, ist zuweilen zwar humorvoll – Auswallrollen werden zu armreckenden Figuren mittels anmontierter Löffel, denen wiederum Wäscheklammern als Finger aufgeklipst sind –, oft aber auch durchaus bedenklich. Denn die 1954 in Kiel geborene Künstlerin – heute lebt sie in Berlin – interessiert sich für gesellschaftliche Rollenbilder, vor allem Geschlechterrollen, denen sie mit raumgreifenden Tableaus auf die Schliche zu kommen sucht.

Das Museum der Moderne in Salzburg richtet ihr an seinem Standort auf dem Mönchsberg eine Soloschau aus, die erste in Österreich. „Das maximale Minimum“ setzt die gedankliche Linie fort, mit der die Künstlerin in den 1990er-Jahren bekannt wurde. Aus Küchenutensilien wie den oben erwähnten oder Alltagsdingen wie Möbelstücken, Schuhen, Spielzeug baut sie skurrile, oft marionettenhafte Figuren oder ganze Szenen. Bühnenbilder des Banalen, deren Ästhetik verblüffende Analogien aufweist zu den Sammlungen der weiland völkerkundlichen Museen. Die 2004 mit dem renommierten Goslarer Kaiserring ausgezeichnete Siem betreibt hier die listige Decouvrierung zugleich des kolonialen Blickes nach außen wie der patriarchalen Domestizierung nach innen.

Wiebke Siem. Das maximale Minimum
19.11.2022 – 12.3.2023
Museum der Moderne Salzburg
Mönchsberg 32
A-5020 Salzburg
Tel.: +43-662-842220
Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
Eintritt: 13 €, erm. 10 €
www.museumdermoderne.at

Text: Dieter Begemann
Bild: Museum der Moderne Salzburg
Erstveröffentlichung in kunst:art 88

Über Dieter Begemann 264 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!