Poesie der Elemente

bis zum 10.3.2024 | Kunstmuseum St.Gallen

Roman Signer, Installationsansicht Kirchhoferhaus (Schenkung der Ursula Hauser Collection), Foto Studio Stucky

Zwar wurde der Künstler Roman Signer in den 1970ern weithin bekannt mit spektakulären Aktionen unter Verwendung von Sprengstoff, aber eigentlich ist er eher ein Mann der leisen Töne. Das lässt sich derzeit bestens studieren im Kunstmuseum St.Gallen. Denn das Haus, eines der wichtigsten Museen der Ostschweiz, wurde von der Sammlerin Ursula Hauer mit einer umfangreichen Schenkung bedacht, zu der acht zentrale Werke Signers zählen.

Der 1938 in Appenzell geborene Künstler verstand sich stets als Bildhauer, also als jemand, der mit dem Raum arbeitet. Anstelle von statischem Stein und Bronze allerdings sind es so bewegliche Elemente wie Wasser und Wind, die Signer in poetischen und oft auch humorvollen Installationen einsetzt. Aus der Natur dieser Elemente ergibt sich auch zwangsläufig, dass in den Werken oft die Zeit eine Rolle spielt: bei der überaus langsamen Bildung eines Tropfens vor dem Fall etwa („Grosser Tropfen“) oder bei den hintersinnig-ironischen (wasser-)rückstoßbetriebenen Stiefeln seines „Stiefelbrunnens“ in Solothurn. Die Ausstellung (im Kirchhoferhaus) zeigt darüber hinaus weitere Werke, entstanden 1971–77, die sich mit dem Wasser befassen. Ein interaktives Angebot macht die Skulptur „Wellenapparat“ (aus der Sammlung in St. Gallen, wo Signer heute lebt). Die Schenkung schließt ihren Bogen durch dieses wichtige künstlerische Werk ab mit Arbeiten aus den 1990er-Jahren.

Roman Signer
Schenkung der Ursula Hauser Collection
bis zum 10.3.2024
Kunstmuseum St.Gallen
Kirchhoferhaus
Museumsstr. 27
CH-9000 St.Gallen
Tel.: +41-71-2420671
Di – So 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
www.kunstmuseumsg.ch

Text: Dieter Begemann
Bild: Kunstmuseum St. Gallen
Erstveröffentlichung in kunst:art 94

Über Dieter Begemann 263 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!