
Künstlerisches Rhizom
Seit geraumer Zeit ist das griechische Wort rhizoma (Wurzel, Geflecht) in der bildenden Kunst ein gern verwendeter Terminus, dem meistens ein Geheimnis beiwohnt. Für die beiden französischen Philosophen Gilles Deleuze und Félix Guattari war es der wissenschaftliche Begriff für ein poststrukturalistisches Modell, das die Wissensbeschreibung und Wissensorganisation (und Weltorganisation) auf neue Grundlagen stellt: Vereinfacht gesagt sind es nicht die hierarchischen Strukturen, die das Wissen und die Weltordnung organisieren, sondern „ein vielwurzeliges, in sich verflochtenes System“ der Bezüge, in dem die Einheit und die Vielheit – eben wie bei den Rhizomen – verflochten sind und daher ganz andere Strukturen aufbauen als die in einer simplen Hierarchie, die von kausalen Abhängigkeiten bedingt ist.
Diesem Prinzip folgen auch die Arbeiten von Verena Freyschmidt, die konsequent die in verschiedenen Farben dargestellten Zonen differenziert und so, wie sich das die französischen Philosophen vorgestellt und postuliert haben, nicht hierarchisch in Abhängigkeit bringt. Es kann daher auch die klassische Auffassung der hierarchischen Anordnung verschiedener Elemente (etwa Baumstruktur) nicht mehr funktionieren, denn es gibt keine unmittelbare Abhängigkeit zwischen zwei ähnlichen Elementen – die verschiedenen Farben in den Arbeiten von Freyschmidt deuten es an, erklären können sie es aber nicht. So wird die Intuition der Hauptakteur des Verständnisses eines Rhizom-Geflechtes.
Verena Freyschmidt. Übergänge
7. – 26.11.2025
Galerie Nanna Preußners
Galeriehaus Hamburg
Klosterwall 13
D-20095 Hamburg
Tel.: +49-179-7392894
Di – Fr 12 – 18 Uhr, Sa 12 – 16 Uhr
Eintritt frei
www.nannapreussners.de
Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Galerie Nanna Preußners
Erstveröffentlichung in kunst:art 106





