Bei der Versteigerung der Sammlung Leonard Lauder wurde auf Polymarket erstmals auf einzelne Auktionslose gewettet. Die Finanzialisierung der Kunst geht damit in eine neue Phase.
Rund 1,4 Millionen Dollar setzten Nutzer der kryptobasierten Wettplattform auf 13 Gemälde aus der Sammlung des Estée-Lauder-Erben, die Sotheby’s am 18. November in New York versteigerte. Während im Saal sechs Bieter den Preis für Gustav Klimts „Bildnis der Elisabeth Lederer“ auf 236,4 Millionen Dollar trieben, spekulierten auf Polymarket parallel Hunderte Nutzer auf die Hammerpreise der einzelnen Lose.
Sogenannte Prediction Markets, also Plattformen, auf denen Nutzer auf den Ausgang realer Ereignisse wetten, haben seit der US-Präsidentschaftswahl 2024 stark an Bedeutung gewonnen. Das Handelsvolumen stieg branchenweit von 73 Millionen Dollar im Jahr 2023 auf über 44 Milliarden im Jahr 2025. Gewettet wird längst nicht mehr nur auf Politik, sondern auch auf Sportergebnisse, Oscar-Verleihungen und Wirtschaftsdaten.
Kate Brown, Redakteurin bei Artnet News, sieht in den Lauder-Wetten einen Prototyp für einen Derivatemarkt im Kunstbereich, wie sie in einer Analyse vom 20. Februar darlegt: Statt ein Gemälde zu kaufen, spekuliere man auf den Preis, den es erzielt, wobei das physische Objekt zweitrangig werde gegenüber der Wahrscheinlichkeit, die ihm zugeschrieben wird. Für den europäischen Kunstmarkt bleibt die Entwicklung vorerst theoretisch, da Polymarket in Deutschland und den meisten EU-Staaten gesperrt ist.
