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Hans Dieter Bohnet in der Städtischen Galerie Böblingen

22.2. – 22.11.2026 | Städtische Galerie Böblingen

Hans Dieter Bohnet im Atelier

Eine kraftvolles Werk

Die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Hans Dieter Bohnet erweist sich als eindrucksvolle Hommage an einen der prägenden Bildhauer der südwestdeutschen Nachkriegsmoderne. Die Schau führt vor Augen, wie entschieden dieser Bildhauer den Dialog zwischen Skulptur und Architektur gesucht hat. Bohnet (1926–2006) zählt zu den prägenden Positionen konstruktiv-konkreter Plastik. In der Städtischen Galerie Böblingen entfaltet sich ein Werk, das von der frühen figürlichen Phase bis zu den streng konstruktiven, geometrischen Großformen der späten Jahre reicht.

Die Galerieleiterin und Kuratorin Corinna Steimel hat dabei klug darauf verzichtet, Bohnet ausschließlich als Meister des öffentlichen Raums zu präsentieren. Stattdessen zeigt sie ihn als Suchenden, als Künstler, der Form auch immer als geistige Haltung verstand. Es wird deutlich, wie sehr Bohnet aus der Auseinandersetzung mit Architektur heraus dachte. Zeichnungen, Modelle und Fotografien seiner frühen Arbeiten lassen erkennen, wie sich aus organisch bewegten Figuren allmählich eine zunehmende Reduktion entwickelte. Linien straffen sich, Volumen werden klarer gefasst, Flächen gewinnen Eigenständigkeit. Dieser Übergang wirkt nicht abrupt, sondern folgerichtig – als hätte der Bildhauer Schritt für Schritt alles Überflüssige abgestreift, um zum Kern der Form vorzudringen.

Besonders überzeugend sind die geometrischen Hauptwerke. Kubus, Kugel und Oktaeder erscheinen hier nicht als kühle mathematische Körper, sondern als präzise gesetzte Interventionen im Raum. Modelle im kleineren Maßstab stehen neben großformatigen Fotografien ihrer Realisierungen im Stadtraum. Dadurch entsteht ein spannender Dialog zwischen Atelier und Öffentlichkeit. Man begreift, wie sehr Bohnet die Wechselwirkung von Skulptur, Licht und Umgebung kalkulierte. Seine Arbeiten fordern Bewegung regelrecht ein. Erst im Umrunden erschließen sich Proportion, Spannung und Balance.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Edelstahl-Arbeiten der 1970er- und 1980er-Jahre. Licht bricht sich auf den polierten Flächen des reflektierende Materials, Konturen lösen sich auf, der Betrachter wird schließlich Teil der Skulptur. Hier zeigt sich Bohnet als Künstler, der Rationalität und sinnliche Erfahrung miteinander verband. Die Strenge der Geometrie wird durch das Spiel von Spiegelung und Transparenz überraschend lebendig. Auch dokumentarisches Material – Briefe, Wettbewerbsentwürfe, historische Aufnahmen – vertieft das Verständnis für seinen Arbeitsprozess. Es wird deutlich, wie intensiv Bohnet in Diskurse über Kunst am Bau und die Rolle der Skulptur im demokratischen Stadtraum eingebunden war. Seine Werke wirken dabei nie dekorativ, sondern behaupten Präsenz und Haltung.

Die Jubiläumsausstellung überzeugt durch Klarheit und Konzentration. Sie feiert Bohnet nicht pathetisch, sondern zeigt ihn als konsequenten Erneuerer der Form. Am Ende bleibt der Eindruck eines Œuvres, das, beinahe in Vergessenheit geraten, in seiner Reduktion zeitlos wirkt und gerade deshalb heute wieder aktuell erscheint.

Stefan Simon lebt und arbeitet in Süddeutschland.

In der Klarheit liegt die Kraft
22.2. – 22.11.2026
Städtische Galerie Böblingen
Pfarrgasse 2
D-71032 Böblingen
Tel.: +49-7031-6691705
Mi – Fr 15 – 18 Uhr, Sa 13 – 18 Uhr, So 11 – 17 Uhr
Eintritt frei
www.staedtischegalerie.boeblingen.de

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