
Alte Meister, gar nicht so alt
Klar doch, die Welt um 1500 ist schon ganz schön weit weg, die frühe Neuzeit und ihre Malerei nicht mehr so ohne Weiteres zugänglich. Das gilt, paradoxerweise, möchte man fast sagen, für die in unserem Kulturraum nördlich der Alpen entstandene Kunst fast noch mehr als für diejenige Italiens, wo vom 14. Jahrhundert aus ein Weg zu den dann schon modernen Errungenschaften der Renaissance leichter nachvollziehbar ist. Das Kunstmuseum in Bern jedoch, im Besitze einer glanzvollen Sammlung von Kunst der Frühen Neuzeit, möchte dieses leichte Fremdeln ein wenig kurieren, das sich möglicherweise einstellt bei den mächtigen Altartafeln des Berner Nelkenmeisters (um 1500). Und so stürzt sich (und uns) schon der Titel der großen Sonderschau mitten ins Getümmel: „Das volle Leben“ lautet der nämlich, um sodann zu präzisieren: „Alte Meister von Duccio bis Liotard“.
Fürwahr ein mächtiger Sprung: Von dem noch im 13. Jahrhundert tätigen Sieneser Duccio di Buoninsegna, dessen goldgrundige, inbrünstig religiöse Malerei an byzantinische Kunst denken lässt, bis zur verfeinerten Lebensart des Barock, wo der Genfer Jean-Etienne Liotard prächtige Kostüme und die frisch in Mode gekommenen Genussmittel aus den Kolonien feiert, wie etwa Schokolade. Die Ausstellung stellt Martyrium und Prunk, Askese und Genuss nebeneinander. Und da erweist es sich, in diesen krassen Widersprüchen ist die Welt der Alten Meister von der unsrigen gar nicht so entfernt!
Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard
13.2. – 27.9.2026
Kunstmuseum Bern
Hodlerstr. 8–12
CH-3011 Bern
Tel.: +41-31-3280944
Di 10 – 20 Uhr, Mi – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 24 CHF, erm. 12 – 20 CHF
www.kunstmuseumbern.ch