Ausstellung Siegen 2026 mit Beier, Hammons und Leonard im Museum

17.4.2026 – 27.9.2026 | Museum für Gegenwartskunst Siegen

Nina Beier, Plug, 2018

Das soziale Leben der Dinge

oben: Museum für Gegenwartskunst Siegen

Die von Thomas Thiel kuratierte Ausstellung „Das soziale Leben der Dinge“ inszeniert in zehn Räumen einen überraschenden, generationsübergreifenden Dialog zwischen Nina Beier (* 1975, wohnhaft in Kopenhagen), David Hammons (* 1943, wohnhaft in New York) und Zoe Leonard (* 1961, wohnhaft in New York). In ihren Installationen, Skulpturen, Fotografien und Videos nutzen die drei Künstlerinnen und Künstler Alltagsgegenstände wie Matratzen, Waschbecken, Kaffeebecher, Spiegel oder Puppen als Ausgangspunkte ihrer Arbeiten. Trotz unterschiedlicher kultureller Hintergründe und verschiedener künstlerischer Ansätze teilen sie das gemeinsame Interesse, durch die Gegenüberstellung ausgewählter Objekte soziale Erfahrungen und kulturelle Deutungsmuster sichtbar zu machen.

Nina Beier arbeitet meist mit gesammelten Objekten und setzt sich mit Fragen von Wert, Herkunft, Reproduktion und Bedeutungsverschiebung auseinander. Ihre Skulpturen und Installationen thematisieren globale Produktions- und Zirkulationsprozesse durch unerwartete Kombinationen – nicht zuletzt durch das Spiel mit eigenen Gemütszuständen, die wir auf Situationen oder Dinge projizieren. Wie die Künstlerin einmal in einem Interview (frieze Nr. 241) betont, erscheinen Dinge häufig sowohl als sie selbst als auch als Repräsentationen ihrer selbst: Eine Perücke etwa ist menschliches Haar, das verwendet wird, um menschliches Haar nachzubilden; ein Schauspieler, der engagiert wird, um zu weinen, ist dennoch immer noch ein Mensch, der weint.

David Hammons zählt heute zu den einflussreichsten Kunstschaffenden unserer Zeit, wurde jedoch erst spät von der Kunstwelt wertgeschätzt. Sein Gemälde von 1988 eines weißen Jesse Jackson („How Ya Like Me Now?“) sicherte ihm die Teilnahme an der Documenta IX (1992), an der auch Zoe Leonard teilnahm. Fundstücke von scheinbarer Belanglosigkeit nutzt Hammons für seine aufmüpfig-poetischen Werke, die stets einen Bezug zu politischen, sozialen wie ökonomischen Missständen haben und sowohl die afroamerikanische Identität als auch das Kunstsystem per se befragen.

Zoe Leonard erkundet den urbanen Raum mittels Fotografie, Skulptur und Installation – dabei oft mit einem klaren feministischen Fokus. Das Phänomen der Wiederholung ist ein wiederkehrendes Moment in ihrem Œuvre, das sich Themen wie Geschlechtsidentität, Migration und Diskriminierung widmet. Durch subtile Perspektivenwechsel wird die Aufmerksamkeit auf besondere Eigenschaften vertrauter Bilder oder Objekte gelenkt. Leonards Werk befragt den Prozess des Sehens selbst und weist einen strengen Bezug zum Konzeptualismus auf.

Die direkte Auseinandersetzung mit materiellen, visuellen und sozialen Realitäten der Welt haben alle drei künstlerischen Positionen gemein. Sie haben ein Interesse an bekannten Objekten, die bereits mit Assoziationen und Wertigkeiten aufgeladen sind – alles bekannte Dinge, die zwar mühelos wiedererkannt werden, durch den artifiziellen Prozess jedoch gekonnt Verunsicherung und Reflexion auslösen.

Stefan Simon lebt und arbeitet in Süddeutschland.

Das soziale Leben der Dinge. Nina Beier, David Hammons, Zoe Leonard
17.4. – 27.9.2026
Museum für Gegenwartskunst Siegen
Unteres Schloss 1
D-57072 Siegen
Tel.: +49-271-4057710
Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 20 Uhr
Eintritt: 5,90 €, erm. 4,60 €
www.mgksiegen.de