Yayoi Kusama Ausstellung Köln im Museum Ludwig 2026

bis 2.8.2026 | Museum Ludwig

Yayoi Kusama, Infinity Mirrored Room, 2025 (Installationsansicht)

Eine Reise in die Unendlichkeit

oben: Museum Ludwig Köln

Zum 50. Jubiläum des Hauses präsentiert das Museum Ludwig eine spektakuläre Ausstellung. Mit der Retrospektive von Yayoi Kusama (* 1929 in Matsumoto, Japan) ehrt Köln eine der bedeutendsten und populärsten Künstlerinnen der Gegenwart. Die Werkschau umfasst mehr als 300 Exponate und beleuchtet ein über sieben Jahrzehnte reichendes, wegweisendes Schaffen.

Die Ausstellung ist ein Gesamtkunstwerk aus Punkten und Spiegeln. Sie ist ein immersives Erlebnis, das die Besuchenden durch Yayoi Kusamas gesamtes künstlerisches Universum führt, von ihren frühesten Zeichnungen aus den 1930er-Jahren an. Die Bandbreite der gezeigten Medien ist beeindruckend: Malerei, Zeichnung, Skulptur, Mode, Performance und Literatur verschmelzen zu einem großen Narrativ über die „Selbstauslöschung“ („Self-Obliteration“) und die Verschmelzung mit dem Kosmos.

Im Zentrum von Kusamas Werk steht die Wiederholung. Ihre berühmten „Polka Dots“ (Punktmuster) und Netzstrukturen sind nicht bloß dekorative Elemente, sondern tief in ihrer Biografie verwurzelt. Sie entspringen Halluzinationen, die Kusama bereits in ihrer Kindheit erlebte – Visionen, in denen sich die Welt um sie herum in Mustern auflöste. Die Kunst wurde für sie zum Mittel der Bewältigung, um ihre Ängste in die Unendlichkeit des Universums zu überführen.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Kölner Station der Ausstellung – die in Kooperation mit der Fondation Beyeler (Basel) und dem Stedelijk Museum (Amsterdam) konzipiert wurde – exklusive Akzente setzt. Ein absoluter Höhepunkt ist eine eigens für das Museum Ludwig entwickelte Rauminstallation. Dieser neue „Infinity Mirror Room“ füllt den größten Saal des Museums und versetzt die Besuchenden durch geschickte Spiegelungen und Lichtspiele in einen Raum ohne sichtbare Grenzen.

Zudem zeigt Köln historische Schlüsselwerke, die an anderen Stationen nicht zu sehen sind. Dazu gehört die wegweisende Installation „Aggregation: One Thousand Boats Show“ von 1963, Kusamas erste Rauminstallation überhaupt. Die Ausstellung beschränkt sich aber nicht nur auf die Innenräume. Das Museum Ludwig nutzt seine Architektur voll aus und bespielt auch die Dachterrasse. Dort korrespondieren Kusamas farbenprächtige, organische Bronze-Skulpturen aus der Serie „Flowers“ mit der imposanten Kulisse des Kölner Doms.

Trotz ihrer mittlerweile 97 Jahre bleibt Kusamas künstlerische Aussage aktuell. Sie erzählt: „In meinen mehr als siebzig Jahren als Künstlerin habe ich immer Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens gehabt. Das Gefühl der Lebenskraft in der Kunst ist es, was mir die Kraft gibt, Verzweiflung und Traurigkeit zu überwinden“. Diese lebensbejahende Energie ist in jedem Winkel der Ausstellung spürbar, und die Öffentlichkeit versteht Kusamas Botschaft. Die Ausstellung ist dermaßen beliebt, dass Tickets nur in Zeitfenstern erhältlich sind, und es sieht so aus, als würde „Yayoi Kusama“ die erfolgreichste Ausstellung werden, die das Museum je zeigte.

Dr. Renée Gadsden arbeitete viele Jahre in der Abteilung für Bildung und Vermittlung des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien.

Yayoi Kusama. Werke aus 70 Jahren
bis zum 2.8.2026
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
D-50667 Köln
Tel.: +49-221-22126165
Di – Do 10 – 18 Uhr, Fr – So 10 – 20 Uhr
Eintritt: 19,80 €, erm. 13,50 €
www.museum-ludwig.de