Alex Katz in der Kunsthalle Tübingen
Der amerikanische Maler Alex Katz zählt zu den einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Seine sieben Jahrzehnte währende Karriere begann der 1927 in New York geborene Künstler bereits in den 1950er Jahren, nachdem er die Kunstakademie in seiner Heimatstadt New York und später in Maine absolviert hatte. Die minimalistisch-flächigen Arbeiten kennzeichneten von Anfang an Katz’ Werk, das sich deutlich von der damals in Amerika vorherrschenden Richtung des Abstrakten Expressionismus unterschied.
Stattdessen setzte der Maler in seinen großformatigen Gemälden auf figurative Darstellungen, porträtierte Personen aus seinem engen Umfeld und aus der Modewelt. Models mit großen Hüten, in fröhlich farbigen Kleidern oder im Badeanzug wurden zu seinem Markenzeichen. Seine Bilder gleichen einem Schnappschuss, sind vielmehr eine Momentaufnahme, die den Zeitgeist auf die Leinwand bringt. Durch die Eigenständigkeit von Alex Katz’ Werk, das Elemente aus späteren Kunstrichtungen vorwegnimmt, wird dieser von einigen Kritikern als Vorreiter der Pop Art gesehen. Insbesondere der reduzierte, flächige Stil, die intensiven Farben und der monochrome Hintergrund gelten als verwandte Merkmale, aber auch Bildmotive, die inspiriert sind von Alltag und Werbung. Doch anders als die Künstler der Pop Art bildet Alex Katz weniger plakativ ab, sondern schärft durch Vereinfachung den Blick für das Wesentliche. So können das Muster eines Stoffes, ein beleuchtetes Fenster oder die Schönheit einer Blüte im Mittelpunkt seines Interesses stehen. Katz hat sich stets gegen jede stilistische Einordnung gewehrt und die Bandbreite an Traditionen der Malerei zur Grundlage seiner Arbeit erklärt.
Alex Katz bewegte sich im Umfeld der New Yorker Kulturszene und pflegte Kontakte in die Welt von Jazz, Tanz und Theater. Durch die Zusammenarbeit mit der Paul Taylor Dance Company ergab sich für Katz die Möglichkeit Bühnenbilder zu entwerfen. Inspiriert von der Ästhetik der dargebotenen Tanzvorstellungen entwarf er seine „Dance Paintings“, in denen er die Bewegungen von Tänzern und Tänzerinnen in seiner Bildsprache wiedergibt. Ein Porträt von Paul Taylor, das in der Ausstellung zu sehen ist, verdeutlicht die stilistischen Mittel, mit denen der Künstler den Eindruck von Licht, Schatten und räumlicher Tiefe erweckt. Gekleidet in ein helles, weißes Trikot bildet der Tänzer einen starken Kontrast zu dem dunkelgrauen Hintergrund, vor dem er scheinbar im Rampenlicht steht.

Die Faszination von Licht und Reflexion bringt der New Yorker Künstler in seinen Nachtbildern zum Ausdruck, die er ab Ende der 1990er Jahre geschaffen hat. Den Hintergrund bilden oftmals dunkle Hausfassaden, aus deren Fenstern Licht in die Nacht erstrahlt. Katz bringt die unterschiedlichen Farbtöne von künstlichen Lichtquellen perfekt zur Geltung und erzeugt so unterschiedliche Stimmungen, die mal warm und gemütlich, aber auch kalt und nüchtern erscheinen können.
Die Ausstellung „Dancing with Reality“ in der Kunsthalle Tübingen ist in enger Zusammenarbeit mit Alex Katz entstanden und präsentiert insbesondere Arbeiten aus dem Spätwerk des Künstlers. Gezeigt werden insgesamt 40 großformatige Arbeiten von denen 15 direkt aus dem Studio von Alex Katz kommen. Die Bilder „Day‘s End 1“ (1998) und „Tree 12“ (2020) sind erstmalig in Europa zu sehen.
Alex Katz. Dancing with reality
28.3. – 13.9.2026
Kunsthalle Tübingen
Philosophenweg 76
D-72076 Tübingen
Tel.: +49-7071-96910
Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 19 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 10 €
www. kunsthalle-tuebingen.de
Autorin: Karin Gerwens
Bilder: Kunsthalle Tübingen