
Objekte der Kontemplation
Im Rahmen von Photographic Encounters, einem biennalen Format des Fotomuseums Winterthur in Kooperation mit dem Christoph Merian Verlag, wurde nun in der zweiten Edition Ester Vonplon (* 1980) ausgewählt, um sie bei einer Ausstellung und Publikation ihres fotografischen Langzeitprojekts zu begleiten. Die künstlerische Praxis der Schweizerin befasst sich mit ihrer natürlichen Umgebung: Im Fokus stehen dabei weniger die immer gravierenderen Eingriffe menschlichen Handelns, sondern jene Orte, die scheinbar noch unversehrt und ursprünglich sind. Susan Sontag schrieb 1977: „Alle Fotografien sind Memento mori. Fotografieren bedeutet, an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Vergänglichkeit eines anderen Menschen (oder einer Sache) teilzuhaben. Indem sie diesen Moment ausschneiden und einfrieren, zeugen alle Fotografien vom unaufhaltsamen Vergehen der Zeit.“ Vonplon folgt mit ihrer Arbeit diesem Credo, indem sie die Fragilität und Vergänglichkeit der Natur einbalsamiert.
Ihr fortlaufender Werkzyklus Flügelschlag versammelt Fotogramme von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Steinen. Dafür verwendet die Fotografin ein über hundert Jahre altes Cellofix-Fotopapier, das jahrzehntelang lichtgeschützt gelagert wurde und nun durch lange Belichtungszeiten zum Träger der Spuren unscheinbarer Fundstücke wird. Mit dieser vielschichtigen Technik wird die Fotoästhetik des 19. Jahrhunderts tangiert, beim Betrachter das Empfinden von Zeitlichkeit berührt und die nahezu konservierten Ökosysteme zu Objekten des Wertschätzens und Gedenkens erkoren.
Ester Vonplon. Flügelschlag
28.2. – 14.6.2026
Fotomuseum Winterthur
Grüzenstr. 44 + 45
CH-8400 Winterthur
Tel.: +41-52-2341060
Di – Fr 11 – 17 Uhr, Mi 11 – 20 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 14 CHF, erm. 12 CHF
www.fotomuseum.ch