Der Weg in die Moderne

30.3. – 4.8.2019 | Kunstmuseum Basel

Pablo Picasso, Mädchenbildnis, 1914 (Centre Pompidou, Musée national d'art moderne, Paris, legs de George Salles, 1967 © Centre Pompidou, Mnam - CCI/Jean Claude Planchet/Dist. RMN-GP © Succession Picasso)

Es ist wie ein Trommelfeuer der Meisterwerke, ein Stelldichein der Künstlerstars. Zentrale Werke wichtiger Künstler aus dem Kunstmuseum Basel, dem Centre Pompidou und weitere Leihgaben aus ausgewählten internationalen Sammlungen versprechen eine Ausstellung, die man nicht so schnell vergisst. Alleine die Namen der Künstler versprechen ein Fest für die Augen: Pablo Picasso, Georges Braque, Fernand Léger, Robert und Sonia Delaunay und Henri Laurens, um nur einige zu nennen …

Thematisch geht es um nicht weniger als – so sehen es viele Kunsthistoriker – den wichtigsten Schritt auf dem Weg in die Moderne der Kunst. Wo beim Impressionismus und Fauvismus noch realistische Formen der Natur erkennbar sind, lösen diese sich im Kubismus zunehmend auf. Nicht mehr die naturalistische Darstellung der Realität steht im Mittelpunkt, sondern der konzeptionelle Bildaufbau, das Gleichgewicht innerhalb des Bildes, die Komposition von Formen und Farben.

Gilt Cézanne als Wegbereiter der Kubisten – auch unter dem Kubisten selbst, wie verschiedene Zitate zeigen –, so waren Picasso und Braque die ersten Kubisten, welche sich gegenseitig inspirierten und mal kollegial, mal argwöhnisch beäugten. Gemein war ihnen, dass sie zuerst auf Ablehnung und Unverständnis stießen. Ihre Zusammenarbeit festigte das nur immer mehr.

Mit der Zeit kamen einige Künstlerkollegen hinzu und versuchten sich ebenfalls in der von der Kritik verpönten Formensprache. Bis 1911 wirkten die Bilder noch nahezu farblos, doch etwa um 1912 wurden die Werke von Picasso und Braque wieder farbig. Die Zeit des Kubismus, grob von 1906 bis in den Anfang des Ersten Weltkriegs hinein, war von Experimentierfreude geprägt: Material, Farbe, Form, alles wurde hinterfragt. Mit dieser Herangehensweise wurde der Boden für die Moderne bereitet.

Die Ausstellung in Basel ist die zweite Station der Ausstellung, die im Oktober 2018 in Paris begann. Dort waren noch bedeutend mehr Bilder zu sehen (über 300 Werke!), doch auch mit den in Basel vertretenen Bildern ist dem Anliegen der Ausstellung ein guter Dienst erwiesen. Gut hundert Jahre nach dem Ende des Kubismus wird eine kritische Bestandsaufnahme des Stils gemacht, über den so viel geschrieben wurde wie über keinen zweiten.

Es wird bei der chronologischen Anordnung der Ausstellung deutlich, welch wichtige Rolle Picasso und Braque einerseits bei der Entwicklung des Kubismus hatten. Aber andererseits wird auch anhand der Bilder und der vertretenen Künstler anschaulich, dass der Kubismus vielfältig war. Nicht jeder folgte den beiden genannten Künstlern, andere sahen ihren Schwerpunkt woanders und experimentierten mit Material und Form. So wichtig Picasso und Braque für die weitere Entwicklung auch waren, so waren es doch eventuell erst diese vielen Verästelungen, die den Weg in die Moderne möglich machten.

Um die heutige Kunst zu verstehen, ist es also hilfreich, den Kubismus, die Vorbehalte gegen ihn und seine Spielarten zu kennen. Oder am besten: In Basel im Original anzuschauen!

Kosmos Kubismus. Von Picasso bis Léger
30.3. – 4.8.2019
Kunstmuseum Basel. Neubau
St. Alban-Graben 16
CH-4051 Basel
Tel.: +41-61-2066262
Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
Eintritt: 16 CHF, erm. 8 CHF
www.kunstmuseumbasel.ch

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Kunstmuseum Basel
Erstveröffentlichung in kunst:art 66

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Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?