Auseinandersetzung

bis zum 13.4.2020 | Kunstmuseum Thurgau

Theo Glinz, Selbstbildnis mit Modell und drei Malerkollegen, datiert 1913

Wir Menschen zeigen körperlich unsere wahre Natur, wenn wir nackt sind. Das Kunstmuseum Thurgau untersucht in seiner aktuellen Ausstellung den Blick auf den hüllenlosen Körper im Verlauf der letzten 100 Jahre. Wenn wir nackt sind, dann können wir nichts kaschieren, wie mit der Kleidung. Für Künstler ist die Darstellung des nackten Menschen seit jeher eine Herausforderung. Man könnte meinen, es ginge darum, den perfekten Körper darzustellen. Der durchtrainierte Körper ist heute ein Ziel, um damit den richtigen Partner zu finden. In der Kunst darf man hingegen so sein, wie man ist. Aktzeichnen ist eine Herausforderung und dabei geht es nicht um Perfektion. Vielmehr geht es darum, so sein zu können, wie man ist. Ohne jegliche Scham.

Wer einmal in einem Kurs für Aktzeichnen ist, der wird feststellen, dass es nicht um die Nacktheit geht, sondern um die Formen eines weiblichen oder männlichen Körpers. Die Fotografie hat ihre eigene Sichtweise. In der Ausstellung eröffnen die Fotografien von Eugene van Bruenchenhein, Miroslav Tichy, Peter Koehl und Barnabas Bosshart dem Betrachter die künstlerische Bandbreite neue Sichtweisen für den Betrachter. Mittlerweile kann jeder von seiner Liebsten oder seinem Liebsten ein Foto per Handy machen. Die Grenze zwischen privat und öffentlich wird damit überschritten. Man darf sich dabei sicher fragen, inwieweit ein Foto wirklich dazu beiträgt, das Geheimnisvolle des menschlichen Körpers zu bewahren. Nackte Tatsachen mit der Option auf mehr.

Nackte Tatsachen
bis zum 13.4.2020
Kunstmuseum Thurgau
Kartause Ittingen
CH-8532 Warth
Tel.: +41-58-3451060
Mo – Fr 14 – 17 Uhr, Sa + So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 10 CHF, erm. 7 CHF
www.kunstmuseum.tg.ch

 

Text: Nadja Naumann
Bild: Kunstmuseum Thurgau
Erstveröffentlichung in kunst:art 71