
Abstrakte Kunst als Novum in der Kunst
oben: Museum Lyonel Feininger
1924 wurde „Die blaue Vier“ in Weimar gegründet, der Lyonel Feininger (1871–1956), Wassily Kandinsky (1866–1944), Paul Klee (1879–1940) und Alexej von Jawlensky (1864–1941) angehörten. Es war Galka Scheyer (1889–1945), die die vier Künstler zusammenbrachte und, wie man heute sagen würde, erfolgreich vermarktete. Dieser Entwicklung ging 1916 die Begegnung mit dem 25 Jahre jüngeren Künstler Alexej von Jawlensky voraus. Die drei „Bauhäusler“ lernte Scheyer 1922 kennen und es kam ihr die geniale Idee, die vier Künstler zu vereinen, um sie erfolgreich in den USA vertreten zu können. Ihre Überlegung war dabei, die unterschiedlichen Handschriften bekannt zu machen, die sich auf geniale Weise ergänzten. Im Mai 1924 reiste sie mit den Kunstwerken der vier Künstler in die Staaten. Anfangs, um selber wieder zu malen. Im August organisierte sie die erste Ausstellung der vier Blauen in New York. Vor allem für Lyonel Feininger bedeutete seine Zugehörigkeit zu der Arbeitsgemeinschaft, dass seine Werke internationale Beachtung fanden. Für den gebürtigen New Yorker war es die Gelegenheit, sich in seiner Heimat als Künstler zu etablieren und anerkannt zu werden.
Das Lyonel Feininiger Museum wurde 1986 in der DDR als Galerie in Quedlinburg am Rande des Harzes gegründet. Dem 40. Jubiläum des Hauses ist die große Sonderausstellung „Vier machen blau“ gewidmet, die rund sechzig Werke der Künstler zeigt, die farbenfroh nicht nur im Werk, sondern auch in der Präsentation daherkommen. Die Bandbreite reicht von Lithografien, Zeichnungen, Aquarellen, Radierungen bis hin zu den Öl- und Kleisterbildern wie von Paul Klee.
Es war vor allem das Abstrakte in den Arbeiten der Künstler, das damals ein Novum in der Kunstwelt war und nur darauf wartete, einem breiten Publikum bekannt gemacht zu werden. Die Begeisterung für diese Werke hält bis heute ungebrochen an.
Die Ausstellung stellt nicht allein Lyonel Feininger in den Fokus, sondern ein künstlerisches Umfeld, das von Galka Scheyer perfekt zu einer erfolgreichen Gruppe zusammengestellt wurde. Das Museum zeigt von Feininger dessen architektonische Bildkompositionen. Paul Klee begeistert mit seinen spielerisch anmutenden Arbeiten. Wassily Kandinsky gab sich dem Abstrakten hin. Seine oft geometrisch aufgebauten Werke sind zeitlos schön. Alexej von Jawlonskis bis auf das Wesentliche reduzierte Köpfe erscheinen wie ein Bindeglied und ergänzen sich kongenial mit den anderen Werken in der Ausstellung.
Alexej von Jawlonski nannte Emilie Esther Scheyer „Galka“, was auf russisch schwarze Dohle bedeutet. Grund dafür waren ihre tiefschwarzen Haare. 1931 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft und ließ „Galka“ als rechtmäßigen Vornamen eintragen.
Die Familie besaß in Braunschweig eine Konservenfabrik. 1938 mussten sie die Fabrik weit unter Wert verkaufen, 1939 wurden sie aufgrund ihres jüdischen Glaubens zwangsenteignet. Die Mutter nahm sich 1942 das Leben, aus Angst vor der bevorstehenden Deportation in ein Konzentrationslager.
Nadja Naumann lebt und arbeitet als freie Journalistin in Mitteldeutschland.
Vier machen Blau. Feininger – Jawlensky – Kandinsky – Klee
31.3. – 13.7.2026
Museum Lyonel Feininger
Schlossberg 11
D-06484 Quedlinburg
Tel.: +49-3946-6895938
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 9 €, erm. 6 €
www.museum-feininger.de