Sammlung Jaegers in der Jesuitenkirche Aschaffenburg

bis 25.10.2026 | Kunsthalle Jesuitenkirche

Alex Katz, Black Dress 2 (Cecily), 2015

Bunter Auftritt

Es ist immer ein gewagter Schritt: wenn Kunstmäzene mit ihrer Sammlung an die Öffentlichkeit gehen. Was vorher in Privat- oder Firmenräumen hing, wird nun einem breiten Publikum präsentiert. So gesehen auch in der Ausstellung „Vertraute Gesten“ in der Jesuitenkirche Aschaffenburg, in der der Unternehmer Gunther Jaegers gerade eine Auswahl seiner über viele Jahre angekauften Gemälde und Skulpturen zeigt.


Einen grundsätzlich großen Auftritt garantiert die zur Kunsthalle umgewidmete Jesuitenkirche allemal, besitzt sie doch sehr hohe und breite Flächen zur Hängung beträchtlicher Formate. Und davon gibt es in der Sammlung Jaegers viele: Zum Beispiel die monumentale und ziemlich eigenwillige „David und Goliath“-Version von Christian Schad aus dem Jahr 1970. Schad gehörte in den 1920ern zu den führenden Malern der Neuen Sachlichkeit und lebte 40 Jahre lang bis zu seinem Tod 1982 bei Aschaffenburg. Seine Werke kann man daher in unmittelbarer Nähe zur Jesuitenkirche – in dem 2022 eröffneten Christian Schad Museum – erleben.


In der Ausstellung „Vertraute Gesten“ finden sich jedoch auch noch andere große Namen, darunter eine Reihe österreichischer Kunstschaffender, wie die Wiener Aktionisten Hermann Nitsch und Otto Muehl, die Malerin Martha Jungwirth oder Xenia Hausner, deren riesiges Bild „Cage People“ von 2014 eine klaustrophobische Situation in neonbunte Farben taucht. Aber auch der amerikanische Künstler Alex Katz ist mit einem Porträt vor tiefgelbem Hintergrund vertreten oder der Maler Jiří Georg Dokoupil – mit einem seiner berühmten Seifenblasengemälde. Doch nicht nur Gegenständliches gibt es zu entdecken, auch eine ganze Reihe abstrakter Werke bestimmen den Gesamteindruck. Selbiger wird durch ausgesprochen viele starkfarbige Positionen sowie durch ausladende Dimensionen geprägt und offenbart damit die Vorliebe Jaegers für eine Kunst, die nicht zu übersehen ist. Gleichzeitig fördert der Mäzen zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, die er alle persönlich kennt und regelmäßig in ihren Ateliers besucht. Auch hier leben viele in Wien, wie zum Beispiel der österreichische Maler Fritz Bergler, die junge, aus dem Kosovo stammende Malerin Albana Ejupi oder ihre Kollegin Monika Kus-Picco mit brasilianischen Wurzeln.


Weil Gunther Jaegers nicht nur aus Aschaffenburg stammt, sondern auch einige Zeit in Nürnberg gelebt hat, gab und gibt es zudem einen starken Bezug zur fränkischen Kunstszene, beispielsweise zu Künstlern wie Hanns Herpich, Hubertus Hess, Günter Paule oder Manfred Hürlimann, der in der Schau eine provokative „Judith und Holofernes“-Darstellung zum Besten gibt.


Gerade hat Gunther Jaegers seine Sammlung in eine gemeinnützige Stiftung überführt. Dadurch besteht die Möglichkeit, sie auch langfristig mit der Öffentlichkeit zu teilen.


Julia Behrens ist Kunstjournalistin und hat ihre Doktorarbeit über Künstlerateliers geschrieben.

Vertraute Gesten. Werke aus der Sammlung Jaegers
bis zum 25.10.2026
Kunsthalle Jesuitenkirche
Pfaffengasse 26
D-63739 Aschaffenburg
Tel.: +49-6021-38674500
Di 10 – 20 Uhr, Mi – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 3,50 €
www.museen-aschaffenburg.de