
Unter der Oberfläche
Ramesch Daha kam 1971 in Teheran zur Welt. 1978 flüchtete ihre Familie nach Wien, woher ihre Mutter ursprünglich kam. Sie studierte von 1991 bis 1998 an der Akademie der bildenden Künste Wien und stellt seitdem im In- und Ausland aus, viele ihrer Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. 2021 wurde sie zur Präsidentin der Wiener Secession gewählt.
Ihre Ausstellung im Taxispalais, einem ehemaligen Postamt, widmet Ramesch Daha dem Land Österreich, in dem sie den mit Abstand größten Teil ihres Lebens verbracht hat und das sie geprägt hat. Insbesondere die Zeit von 1933 bis 1945 ist hier für Ramesch Daha von Bedeutung: zuerst der Austrofaschistische Ständestaat (1933–1938) und anschließend der „Anschluss“ und damit Österreich als Teil des Deutschen Reiches (1938–1945). Einem ehemaligen Postamt gerecht werdend beschäftigt sie sich zuerst mit Postkarten, die scheinbare Idyllen zeigen. Oder ist im Verborgenen mehr zu sehen? In einer zweiten Arbeit umschließt die Künstlerin ein Buch mit flüssigem Glas, womit das Buch zuerst ein wenig brennt, dann aber geschützt ist. Anspielungen auf die Bücherverbrennung, aber auch auf das Buch „Fahrenheit 451“ sind evident. Zuletzt beschäftigt sich die Ausstellung mit Sigmund Klein, Dahas Stiefurgroßvater. Er wurde 1942 in Ravensburg im Konzentrationslager ermordet. Ramesch Dahas bevorzugtes künstlerisches Mittel sind Nachzeichnungen und Blaupausen von Papieren und Gegenständen. Quasi alles, was von Sigmund Klein noch vorhanden ist, kopiert sie und setzt ihm damit ein spätes Denkmal.
Ramesch Daha: Mein Österreich
bis zum 7.6.2026
Taxispalais Kunsthalle Tirol
Maria-Theresien-Str. 45
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43-512-59489401
Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 20 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 4 €
www.taxispalais.art