Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965

14.10.16 – 23.3.17 | Haus der Kunst München

Mit der umfassenden Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“, die das Haus der Kunst konzipiert hat, beschreibt zum ersten Mal in der jüngeren Ausstellungsgeschichte eine Schau die Nachkriegszeit als einen wahrhaft globalen Zustand. In dieser pulsierenden und turbulenten Zeit waren künstlerische Blickwinkel verwoben mit sozialen, politischen, kulturellen und technologischen Interessen. Das Haus der Kunst hat dieses Langzeitprojekt im Mai 2014 in München mit einem viertägigen, international besetzten Symposium begonnen. Mit der Präsentation der Forschungsarbeit aus unterschiedlichsten Regionen der Welt verfolgt das Haus der Kunst das Ziel, führende und jüngere Wissenschaftler/innen, Historiker/innen, Künstler/innen, Kuratoren/innen,
Theoretiker/innen und Studenten/innen zusammenzubringen, um die künstlerischen Einflüsse und kulturellen Vermächtnisse zu untersuchen, die die globale Kunstproduktion seit 1945 geprägt haben.

Der Begriff „Postwar“ beschreibt den Zeitraum nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Nach den entscheidenden Siegen der Alliierten – über Deutschland in Europa und über Japan in Asien – hatte die Weltgeschichte einen Wendepunkt erreicht. Auch im Bereich der Kunst markiert die Nachkriegszeit einen historischen und kulturellen Wendepunkt: Sie schwächte die Vormachtstellung westeuropäischer Kunsthauptstädte und stärkte international die Präsenz und Dominanz der zeitgenössischen amerikanischen Kunst, der Populärkultur und der Massenmedien. Der Zustand der Künste ließ einen klaren ideologischen Bruch erkennen. Der Kalte Krieg teilte die Welt in zwei Einflussbereiche, und hinter den Begriffen „Sozialistischer Realismus“ und „Abstraktion“ verbarg sich eine
simplifizierte Gegenüberstellung von Kommunismus und kapitalistischer Demokratie, Sozialismus und freiheitlicher Demokratie, die oft komplexere künstlerische Motivationen verschleierte.

Im globalen Maßstab wurde diese Dichotomie allerdings durch mehrere Faktoren verkompliziert – durch Dekolonialisierungskämpfe, Unabhängigkeitsbewegungen und antikolonialen Widerstand in Afrika, Asien und Nahost; selbst als die Machtblöcke des Kalten Krieges die neuen Nationen umwarben und unter ihre jeweilige Kontrolle zu bringen versuchten. Diese zunehmend unabhängiger werdenden Akteure schlugen im Gefolge von Imperialismus und Krieg ganz andere Ausrichtungen und Allianzen vor; hierzu zählen der Panafrikanismus und die sogenannte Blockfreienbewegung.

„Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ spiegelt die allmähliche Veränderung von Überzeugungen in der Nachkriegszeit und zeigt, wie sich Kunst und Politik zunehmend verzahnten und sich unsere Welt zu einer Einheit verflochten hat. Überall stellte man die Frage: Wie würde eine globale Moderne
aussehen? Wenn wir die Nachkriegsmoderne neu kartieren müssen: Welche Methoden stehen uns zur Verfügung? Wie groß war der Druck des Politischen auf das Ästhetische, des Kulturellen auf das Künstlerische? Und umgekehrt: Wie verhandelten oder untergruben Künstler, Kritiker und Intellektuelle politische Ideologien, wie setzten sie sich dagegen zur Wehr?

Die Ausstellung untersucht verschiedene Konzepte der künstlerischen Moderne wie Abstraktion, Realismus, Gegenständlichkeit und Figuration. Sie erkundet, wie sich die individuelle Rezeption und Formulierung der Moderne in all ihren Varianten manifestiert hat. Indem sie diesen Linien folgt, lädt sie dazu ein, über die Entwicklung einer Kunst nachzudenken, die Kontinente, politische Strukturen, Wirtschaftssysteme und institutionelle Rahmen überspannt.

„Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ stellt also ein völlig neues Konzept von Ausstellung dar. Hier wird die Kunst der Nachkriegszeit zum ersten Mal aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet – Ost und West, Norden und Süden, Kolonisatoren und Kolonialisierte, Pazifik und Atlantik. In acht
Kapiteln vollzieht die Schau die großen gesellschaftlichen Veränderungen der Jahre von 1945 bis 1965 nach: „Nachwirkungen: Die Stunde Null und das Atomzeitalter“, „Form ist bedeutsam“, „Neue Menschenbilder“, „Realismen“, „Konkrete Visionen“, „Kosmopolitische Moderne“, „Formsuchende Nationen“ sowie
„Netzwerke, Medien und Kommunikation“.

In dieser eingehenden, global ausgerichteten Studie zur Kunst der Nachkriegszeit berücksichtigen die Kuratoren der Ausstellung die Gattungen Malerei, Plastik, Installation, Collage, Performance, Film, Künstlerbuch, Dokument, Fotografie und haben insgesamt 350 Werke von 218 Künstlerinnen und Künstlern aus 65 Ländern zusammengeführt.

Die Ausstellung wird kuratiert von Okwui Enwezor (Direktor, Haus der Kunst), Ulrich Wilmes (Hauptkurator, Haus der Kunst) und Katy Siegel (Eugene V. and Clare E. Thaw Endowed Chair in Modern American Art und Professor of Art History der Stony Brook University).

Sie steht unter der Schirmherrschaft von Frank-Walter Steinmeier, Außenminister der Bundesrepublik Deutschland.

 

Text: Haus der Kunst München | Foto: Haus der Kunst München
Externer Link: Haus der Kunst München

 

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