Aufruhr in Augsburg: Deutsche Malerei der 1960er bis 1980er Jahre

2.7.15 – 31.3.17 | Staatsgalerie Moderne Kunst im Glaspalast Augsburg

Zwei Generationen deutscher Künstler der Nachkriegszeit stehen sich in der Kunstausstellung “Aufruhr in Augsburg” in der Staatsgalerie Moderne Kunst im Glaspalast Augsburg gegenüber. Was sie vereint, ist die Tendenz zur figürlichen Malerei, die weder persönliche noch politische Kommentare ausklammert und damit den Ansätzen der Concept Art und Minimal Art begegnet. Die Ausstellung zeigt rund 40 Hauptwerke aus den Sammlungsbeständen der Pinakothek der Moderne München, darunter Arbeiten aus der Michael und Eleonore Stoffel-Stiftung und dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Zahlreiche dieser Werke sind seit der Eröffnung der Pinakothek der Moderne nicht mehr gezeigt worden. Die Ausstellung ermöglicht eine neue Begegnung mit einem zentralen Kapitel deutscher Kunst- und Sammlungsgeschichte.

Das ausdrückliche Interesse für Malerei bei gleichzeitiger kritischer Hinterfragung von Inhalt und Stil vereint bereits die Generation der 1938 bis 1945 geborenen: Georg Baselitz, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und A. R. Penck. Ihre Revolutionierungen und Neudefinitionen wirken auf die nachfolgende Generation der sogenannten “Neuen Wilden”, darunter Walter Dahn, Rainer Fetting, Markus Oehlen und Salomé, die zu einer noch intensiveren und farbintensiven Bildsprache finden. In der Nachkriegszeit suchten deutsche Künstler nach Erneuerung der Malerei, – neben der Aktions- und Objektkunst, dem Environment, der Performance und anderen innovativen Medien. Beispielhaft dafür ist Georg Baselitz (*1938 Deutschbaselitz). Er findet in der Methode der Fragmentierung und Umkehrung der Motive eine Loslösung von vorherrschenden Wahrnehmungsmechanismen, wie es das Werk “Der Adler” (1978) zeigt: Das Sinnbild der deutschen Geschichte und des Reiches steht Kopf. Die Gemälde und Skulpturen von Markus Lüpertz (*1941 Reichenberg) zeichnen sich durch eine archaische Monumentalität aus, in der Gegenständliches und Abstraktion zu einer eigenen Formensprache werden. Jörg Immendorff verfolgt wiederum einen erzählerischen wie kritischen Ansatz. Das Werk “Café Deutschland VII” (1980) widmet sich der deutsch-deutschen Geschichte nach dem 2. Weltkrieg. Etwa gleichzeitig bilden sich in Berlin, Köln und Hamburg Zentren mit Vertretern einer rund zehn Jahre jüngeren Generation. Bei aller stilistischen Vielfalt vereint sie die Beschäftigung mit einer spontanen, oftmals subjektiven Bildsprache. 1977 gründen Kunststudenten in Berlin, darunter Rainer Fetting, Helmut Middendorf, Salomé und Bernd Zimmer eine Selbsthilfegalerie am Moritzplatz. Einerseits werden persönliche Erfahrungen aus der geteilten Großstadt zu ihrem Sujet, das sie in dynamischen Pinselstrichen bewältigen. Andererseits werden Kunstgattungen wie Stillleben oder Landschaften beispielsweise von Bernd Zimmer neu interpretiert.

 

Text: Staatsgalerie Moderne Kunst im Glaspalast Augsburg | Foto: Staatsgalerie Moderne Kunst im Glaspalast Augsburg
Externer Link: Staatsgalerie Moderne Kunst im Glaspalast Augsburg

 

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