Im Wie liegt der Unterschied

31.1. – 10.5.2020 | Albertina

Wilhelm Leibl, Die Dorfpolitiker, 1877 (Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart, © SIK-ISEA, Zürich (Lutz Hartmann) Detail)
Noch kann Wilhelm Leibl (1844–1900) in unserer Zeit als Geheimtipp angesehen werden. Doch nachdem die Kooperationsausstellung mit dem Kunsthaus Zürich auch in Wien an der Albertina angekommen ist, wird sich dies wohl nachhaltig ändern. Was fraglos seinem Können und seiner exponierten künstlerischen Position als einer der führenden Realisten Europas seiner Zeit  geschuldet ist. Der Kölner erhielt seine Ausbildung in München an der Akademie. Von dort aus wurde er noch während seines Studiums von Gustave Coubert entdeckt und nach Paris geholt. Im Zuge dessen konnte er sein Erlerntes, vervollständigt um seine Begabung und inspiriert von der neuen Umgebung, mit Leidenschaft zur Profession entwickeln. Leibls Werke zeichnen sich durch eine hohe Präzision aus, basierend auf dem Studium der „Alten Meister“, verbunden mit dem deutlichen Interesse an der Darstellung des Realen, von dem, was und wie es zu sehen ist.

Das Markante seiner Werke ist durch die Präsentation seiner Gemälde wie auch seiner Zeichnungen dargeboten. Und es zeugt im Besonderen von dem hohen Anspruch, den Leibl an sich und sein Schaffen hatte. Geleitet, teils getrieben war der Künstler von seinem Wahrheitsanspruch und gilt so als Wegbereiter einer neuen und modernen Figurenmalerei. Sein Stil beeinflusste Max Liebermann, Käthe Kollwitz und Maria Lassnig. Durch seine fundierten künstlerischen Kenntnisse konnte Leibl seine Wirklichkeit auch wirklichkeitsgetreu darstellen. Darin lag für den Realisten die Notwendigkeit, das Wie zum Inhalt seines Werkes zu machen. Wie ihm das gelang, lohnt sich allemal anzuschauen.

Wilhelm Leibl. Gut sehen ist alles!
31.1. – 10.5.2020
Albertina
Albertinaplatz 1
A-1010 Wien
Tel.: +43-1-534830
Täglich 10 – 19 Uhr, Mi + Fr 10 – 21 Uhr
Eintritt: 17,90 €, erm. 11,90 – 12,90 €
www.albertina.at

Text: Greta Sonnenschein
Bild: Albertina
Erstveröffentlichung in kunst:art 71