Bilder einer Freundschaft

19.9.2020 – 10.1.2021 | Kunsthaus Stade

Hans Thuar, Begegnung im Park, 1921, © Privatbesitz, Foto Auktionshaus Lempertz (Sascha Fuis Photographie, Köln)

Anrührend hebt das Kunsthaus Stade in der Sonderausstellung „Ziemlich beste Freunde – Hans Thuar & August Macke“ die tiefe Verbundenheit der beiden rheinischen Expressionisten hervor. Schon im Kindesalter freunden sich die beiden Nachbarskinder an und prägen wechselseitig schicksalhaft ihre zukünftigen Lebenswege. Erste ästhetische Faszination fanden beide im Hause Thuar durch die Sammlung japanischer Holzschnitte des Vaters. August verhalf Hans nach einem schweren Unfall zu neuem Lebensmut und erinnerte humorvoll an ihre gemeinsame Leidenschaft zur Kunst.

Anschaulich können anhand ausgestellter Werke stilistische und motivische Parallelen, aber auch Gegensätze beider nachvollzogen werden. Im Unterschied zu Mackes leuchtender Farbwahl, die weich und leicht wirkt, zieht Thuar oft konturenreich mit stärkeren Kontrasten seine Linien. So farbenfroh und leicht Mackes Bilder wirken, so tragisch und abrupt endet sein Leben. Im Alter von nur 27 Jahren stirbt er im ersten Weltkrieg. Thuar stürzt in tiefe Depression und seine Niedergeschlagenheit weicht erst, als er erneut zum Pinsel greift und zur Blütezeit seines Gesamtwerkes ansetzt. Die Ausstellung führt durch die Spannbreite Thuars Lebenswerkes und zeigt neben Gemälden auch kunsthandwerkliche Arbeiten und Zeichnungen – vieles noch nie Gezeigtes aus dem Nachlass stammend. Berührende Exponate wie historische Fotos und die Heiratsurkunde ihrer Kinder zeugen von der tiefen Freundschaft, die auf diese Weise in (Wahl)-verwandtschaft überging.

Hans Thuar und August Macke. Ziemlich beste Freunde
19.9.2020 – 10.1.2021
Kunsthaus Stade
Wasser West 7
D-21682 Stade
Tel.: +49-4141-7977320
Di – Fr 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 19 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 4 €
www.museen-stade.de/kunsthaus

Text: Johanna Bayram
Bild: Kunsthaus Stade
Erstveröffentlichung in kunst:art 75