Vergessenes Universalgenie

27.11.2020 – 4.4.2021 | Leopold Museum

Emil Pirchan, mit Masken im Atelier, 1920, © Sammlung Steffan/Pabst, Foto: Sammlung Steffan/Pabst

Lange Zeit blieb Emil Pirchan von der Kunstgeschichte wenig beachtet. Erst im vergangenen Jahr widmete das Folkwang Museum dem Wiener Bühnenbildner und Grafiker eine große Ausstellung. Die war in Zusammenarbeit mit dem Leopoldmuseum entstanden, das den ehemaligen Wahl-Wiener nun gewissermaßen zurückbringt. In Wien hatte der gebürtige Brünner beim großen Otto Wagner studiert. 1908 zog es ihn aber nach München, wo er Plakate entwarf, in einem Architekturbüro arbeitete und Bühnenbilder für das Nationaltheater kreierte, dann weiter nach Berlin, wo er Dozent für Bühnenbild und Kostüm wurde. Erst 1936 kehrte er zurück nach Wien. Als Bühnenbildner arbeitete er an Burgtheater und Staatsoper, an der Akademie der Bildenden Künste wurde er Professor.

Nachdem sich vergangenes Jahr im Folkwang Museum seine erste große Einzelausstellung auf Plakat- und grafische Kunst konzentriert hatte, legt die Schau in Wien größeres Gewicht auf seine Arbeit auf der Bühne. Nachdem die im Mai geplante Eröffnung verschoben werden musste, kann das Leopoldmuseum die Retrospektive ab November zeigen. Der Untertitel „Visuelle Revolution“ ist nicht bescheiden gewählt, die Neuerungen, die Emil Pirchan in Plakaten und vor allem im Bühnenbild gefunden hat, wirken allerdings tatsächlich bis heute. Seit seinen Entwürfen sind Fotografie und Projektionen ein gebräuchliches Mittel von Theaterinszenierungen und wurden weiterentwickelt. Die Räume des Leopoldmuseums bieten den Platz, um Kulissen und Pop-up-Fotos zu präsentieren.

 

Emil Pirchan. Visuelle Revolution
27.11.2020 – 4.4.2021
Leopold Museum
MuseumsQuartier
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
Tel.: +43-1-525701584
Mi – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 14 €, erm. 10 €
www.leopoldmuseum.org

Text: Jan Bykowski
Bild: Leopold Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 76